Geist und Geld für Greenpeace

Andrew Thompson

Informationsseite - 9. August, 2008
Andrew Thompson hat sich während Jahren persönlich für Greenpeace engagiert. Jetzt begünstigt er die Organisation sogar in seinem Testament. Das Porträt eines unermüdlichen Kämpfers.

Andrew Thompson © Greenpeace Würtenberg

Ein bescheidenes Reihenhaus in Riehen BS. Die Türe öffnet sich, hinaus tritt ein unscheinbarer älterer Herr. Mit «hello» begrüsst er die Gäste, denn der Mann ist Amerikaner. Andrew Thompson, 70-jährig, lebt seit über zehn Jahren in der Schweiz. Den Psychologieprofessor zog es während eines Sabbaticals hierher. Und was bewog ihn zu bleiben? «Oh, well», meint er verschmitzt, «ich habe meine Frau kennen gelernt.» Sie war die Lehrerin im Deutschkurs, er der Schüler.

Neue Frau, neues Leben: Auch beruflich wechselte Thompson das Gebiet, recherchierte und schrieb fortan zum Thema Medizin, wobei ethische Fragen im Mittelpunkt stehen. Da steckt er seine ganze Energie hinein: «Wenn ich an einem Text schreibe, lasse ich mich nur ungern unterbrechen. Es braucht sehr viel Konzentration und ist sehr kompliziert.»

Noch etwas änderte sich: Andrew Thompson engagierte sich bei Greenpeace. Seine Mitarbeit in der Regionalgruppe Basel in den Jahren 1995 bis 2002 war ihm eine willkommene Gelegenheit, Gleichgesinnte kennen zu lernen. Obwohl die meisten Leute zwanzig bis fünfzig Jahre jünger waren als er, schätzte er die Zusammenarbeit sehr: «Als Professor war ich den Kontakt mit jüngeren Menschen gewohnt. Und ich finde die Auseinandersetzung mit ihnen wichtig.» Gemeinsam organisierten sie friedliche Demonstrationen, verteilten Flugblätter und sammelten Unterschriften.

Und er stand auch schon mal acht Stunden auf einer Brücke über einem Bahngleis, um einen Transport von radioaktivem Material nicht zu verpassen. «Greenpeace gefällt mir, weil die Organisation handlungsorientiert ist. Ich konnte aktiv etwas tun.» Unvergesslich bleibt ihm auch der Aufenthalt auf einem Greenpeace-Schiff – leider war es für Andrew Thompson kein reines Vergnügen, denn er wurde seekrank.

Der Verzicht auf die Atomenergie und die Förderung erneuerbarer Energien sind für den Siebzigjährigen nach wie vor ein sehr wichtiges Ziel. Überhaupt sei es notwendig, sagt er, dass die Menschen Bereitschaft zeigten, ihre Einstellung zu ändern. Leider hätten die meisten Leute aber eine ziemlich limitierte Sicht vom Leben, und das sei frustrierend und enttäuschend: «Heutzutage haben die jungen Menschen in einem wohlhabenden Land wie der Schweiz kein Verantwortungsbewusstsein mehr. Sie können es so lange vermeiden, der Realität ins Auge zu sehen, bis es vielleicht einmal zu spät ist», meint er beunruhigt.

Obwohl der aktive Rentner locker über Geld spricht, hat er keine unverkrampfte Beziehung dazu. Es bedeute für ihn nicht Lust, sondern Last: «Das Einzige, was ich über Geld sagen kann, ist, dass ich es nicht gerne für irgendwelche Dinge ausgebe. Heute ‹investieren sich› die Menschen dermassen in die Dinge um sie herum; sie müssen immer nach der neusten Mode gekleidet sein, ein tolles Haus und ein tolles Auto haben. Dieser Lifestyle bedeutet mir nichts.»

Doch was bedeutet ihm denn etwas? Das Theaterspielen in einer englischsprachigen Gruppe und das Vertiefen der französischen Sprache sind für ihn Freizeitaktivitäten. Die Resultate seiner Liebe zur Fotografie von Naturschönheiten schmücken nicht nur die Wände im Haus, sondern sind auch Gegenstand von Diashows für Familie und Freunde.

Geld dann weitergeben wenn es gebraucht wird
Bescheidenheit scheint ein wichtiger Bestandteil seines Lebens zu sein – ausser wenn es darum geht, anderen mit Geld zu helfen. Andrew Thompson hat Greenpeace in seinem Testament bedacht und gibt jährlich Geld im Sinne eines Erbvorbezugs weiter. Mehr mag er darüber nicht sagen als: «Ich finde es wichtig, dass das Geld dann zu den Leuten kommt, wenn sie es brauchen; wer weiss schon, was in zehn, fünfzehn Jahren ist?» Es brauche immer verschiedene Engagements, um ein Ziel zu erreichen, meint Thompson. Greenpeace steht in seiner Gunst, weil die Organisation auf spektakuläre Art Dinge an die Öffentlichkeit bringt und somit viele Leute erreichen kann.

Das Engagement für eine ökologischere und gesündere Welt nimmt viel Platz ein in seinem Leben. Der sonst eher besonnene Wissenschaftler blüht denn auch richtig auf, wenn es um seine Arbeit geht. So wünscht er, dass in diesem Artikel am Schluss noch folgendes Plädoyer wiedergegeben wird: «Umweltschützer, die in irgendwelcher Form die so genannte Spitzenmedizin unterstützen und beispielsweise für die Krebsforschung spenden, handeln gegen ihre eigenen Interessen. Denn solche Spenden werden grösstenteils für Hightech-Forschung eingesetzt, die lediglich überteuerte Medikamente oder andere fragwürdige Heilmittel hervorbringt.»

Artikel aus dem Greenpeace Magazin Schweiz 2008
 

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