Greenpeace-Mitbegründerin Dorothy Stowe

Von Rex Weyler, Autor, Journalist und ehemaliger Direktor von Greenpeace

Informationsseite - 26. Januar, 2012
Dorothy Stowes Überzeugung für Greenpeace, die Organisation, die sie selber mitformte, blieb ihr bis zum Lebensende erhalten. Dorothy hinterliess Greenpeace International ein Legat von 5000 kanadischen Dollars. Das ehrt und berührt uns tief.

Greenpeace-Mitbegründerin Dorothy Stowe

 

Dorothy Anne Rabinowitz wurde am 22. Dezember 1920 in Providence, Rhode Island (USA), geboren. Ihren Vater Jacob beschrieb sie als politisch: «Er setzte sich ein für Gerechtigkeit – nicht nur für die Juden, sondern für alle Menschen.» Ihre Mutter, Rebecca Miller, unterrichtete Hebräisch und weckte in ihr den Wunsch nach Bildung. Dorothy studierte am Pembroke College in den USA, wurde psychiatrische Sozialarbeiterin und erste Vorsitzende der lokalen Gewerkschaft der öffentlichen Angestellten. 1953 heiratete sie den Bürgerrechtsanwalt Irving Strasmich. Zu Ehren von Harriet Beecher Stowe, einer US-Feministin und Sklavereigegnerin, gaben sie sich den Familiennamen Stowe. Ihre zwei Kinder Robert, geboren 1955, und Barbara, geboren 1956, leben in Vancouver.

In den 50ern begannen Dorothy und Irving Stowe ihren Kampf gegen Atomwaffen. Sie liessen sich von Quäker-Gedanken inspirieren, von «Zeugnis ablegen» (bearing witness) und «den Mächtigen die Wahrheit vorhalten» (speaking truth to power). 1961 wanderten die Stowes nach Neuseeland aus, um zu vermeiden, dass ihre Steuergelder den Vietnamkriegs mitfinanzierten. Dort organisierten sie Demonstrationszüge vor die US-Botschaft und protestierten gegen französische Atomwaffenversuche in Polynesien. Als Neuseeland 1965 ebenfalls Truppen nach Vietnam entsandte, zogen die Stowes nach Kanada. In Vancouver arbeitete Dorothy als Familientherapeutin und ermöglichte es Irving so, hauptamtlich als Friedensaktivist tätig zu sein. Sie lernten die Quäker Jim und Marie Bohlen sowie Zoe Hunter kennen: Diese Gruppe bildete den Kern einer Friedens- und Umweltorganisation, die mit Protesten bald für weltweites Aufsehen sorgte. Als die USA 1968 eine Serie von Atomwaffenversuchen in Alaska ankündeten, gründeten die Stowes ein «Don’t Make a Wave»- Komitee, dessen name die Furcht vor einem Tsunami verdeutlichte, der durch die Explosionen hätte ausgelöst werden können. Dorothy Stowe mobilisierte Sozialarbeiter und Frauengruppen für einen Boykott gegen US-Produkte, der andauern sollte, bis die Tests abgesagt würden. Als Jim und Marie Bohlen vorschlugen, per Boot ins Testgebiet vorzustossen, waren Dorothy und Irving Stowe dabei. Sie charterten ein Heilbutt-Boot und nannten es «Greenpeace». Das Boot stach im September 1971 in See, wurde von der Coast Guard gekapert und erreichte nie die Insel im Testgebiet. Trotzdem verursachte die Aktion Aufsehen, und im Februar 1972 beschloss die US-Regierung, ihre Testversuche einzustellen.

Ab Mai 1972 nannte sich die Gruppe «Greenpeace». Die Organisation hat heute Büros in über 40 Ländern, einschliesslich China und Indien und seit jüngstem auch in Afrika. «Erstaunlich», sagte Dorothy kürzlich, «was einige um den Küchentisch versammelte Leute erreichen können.»

Dorothy Stowe starb am 23. Juli 2010 in Vancouver, Kanada, im Alter von 89 Jahren. Das Beste, was wir im Gedenken an sie tun können, ist, weiterhin unsere Arbeit für Frieden, Gerechtigkeit und eine lebendige Erde zu tun.

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