FAQ zur Kampagne

Häufig gestellte Fragen

Hintergrundinformationen zu unserer Kampagne zum Schutz der Arktis.

Unsere Kampagne  
  • Worum geht es in der Kampagne?

    Wir wollen mit der Kampagne dafür sorgen, dass die Arktis geschützt wird. Wir brauchen ein internationales Schutzgebiet um den Nordpol herum (diese Region wird auch "hohe Arktis" genannt) und für das weitere Gebiet der Arktis Verbote gegen Ölbohrungen und industrielle Fischerei.

  • Was ist ein internationales Schutzgebiet?

    Ein internationales Schutzgebiet unter UN-Protektion markiert eine Sperrzone für Verschmutzer - einen Bereich allein für Wissenschaft und Forschung. In der Antarktis - am anderen Ende der Erde - ist ein Weltpark eingerichtet worden, um zu verhindern, dass zerstörerische Industrien dort Einzug halten. Vergleichbaren Schutz brauchen wir auch für die Arktis! Derzeit gehört die Arktis noch uns allen, sie ist als Hochsee klassifiziert, aber Anrainerstaaten reklamieren das Gebiet für sich. Sie wollen es für Industrien zugänglich machen. Bevor Länder und Konzerne die Arktis in Besitz nehmen, wollen wir die Arktis für alles Leben auf der Erde sichern.

  • Was spielt eine UN-Resolution dabei für eine Rolle?

    Jedes Jahr im September treffen sich im UN-Hauptsitz in New York die einflussreichsten Politiker der Welt. Wir wollen, dass sie eine Resolution zum Schutz der Arktis verabschieden. Das heißt: Wir müssen mehr als die Hälfte aller Regierungen weltweit von der Notwendigkeit überzeugen. Eine Resolution bei der UN-Hauptversammlung würde den Druck erzeugen, den wir brauchen, damit ein Schutzgebiet eingerichtet wird und Ölbohrungen und Industriefischerei in der Arktis verboten werden.

  • Wie kann ich die Kampagne unterstützen?

    Zuallererst: Unterschreibe unsere Arktis-Petition! Deinen Namen deponieren wir zusammen mit Millionen anderer Namen im Meeresboden unter dem Nordpol und markieren die Stelle mit der Flagge der Zukunft, die wir von Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt gestalten lassen. Überzeuge auch deine Freunde und Familie mitzumachen und teile den Kampagnenfilm weiter! Lasst uns so schnell wie möglich soviele Menschen wie möglich mobilisieren! Wir legen uns mit den weltweit mächtigsten Regierungen und Konzernen an, es wird nicht leicht, aber mit vereinten Kräften können wir unser Ziel erreichen!

  • Wie werden unsere Namen am Nordpol deponiert? Haben wir ein U-Boot?

    Nein. Anders als Russland haben wir kein U-Boot, das wir dafür einsetzen könnten. Hast du eins? Wir sind eine Bewegung und können unser Ziel nur gemeinsam erreichen. Wir haben ein paar Ideen und müssen uns in den nächsten Monaten entscheiden. Die Petition mit allen Unterzeichnern müssen wir in eine unzerstörbare Kapsel stecken, damit sie für Jahrhunderte überdauern kann. Diese Kapsel müssen wir wahrscheinlich durch das Eis und vier Kilometer gefrierendes Wasser versenken. Wie wir zum Nordpol gelangen können, wer dort hingeht, wer die Namen deponiert... all diese Fragen werden wir gemeinsam in den nächsten Monaten klären.

  • Wie kann ich beim Design der "Flagge der Zukunft" mitmachen?

    Dazu wird es einen Wettbewerb geben, der später in diesem Jahr beginnt und von den Girl Guides (Pfadfinderinnen) organisiert wird. Wir wollen die Kinder und Jugendlichen der Welt darüber entscheiden lassen, wie dieses wichtige Symbol aussehen sollte.

  • Ist es nicht "nur" eine symbolische Geste, die Namen und die Flagge am Nordpol zu deponieren?

    Unsere Bewegung ist nicht an Ländergrenzen gebunden und muss ohne viel Geld, eine eigene Armee oder die Unterstützung mächtiger Ölkonzerne auskommen. Aber wir sind viele und haben das Recht auf unserer Seite. Für unseren Kampf sind Symbole sehr wichtig. Im Jahr 2007 stellte ein russischer Forscher eine russische Flagge auf dem Meeresboden im Namen seiner Regierung auf und verursachte damit eine diplomatische Krise. Diese Handlung war mehr als eine symbolische Geste: Mit der Flagge beanspruchte Russland den Nordpol für sich und seine Ölindustrie. Wenn wir unsere Namen und die Flagge der Zukunft am Nordpol deponieren, ist das ein anti-kolonialistischer Akt. Millionen Menschen weltweit haben sich zusammengeschlossen, um den Ölkonzernen Einhalt gebieten.

  • Aber die arktischen Staaten wollen nicht, dass wir Erfolg haben, oder? Wollen sie nicht die Arktis ausbeuten?

    Die arktischen Staaten haben die große Verantwortung, die Arktis zu schützen. Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen umfasst ausdrücklich Binnenmeere und mit Eis bedeckte Gewässer und ruft die Nationen zum Schutz der Umwelt zur Zusammenarbeit auf. Mit anderen Worten: Wir verlangen nur, was internationales Recht ist. In den Hauptstädten der arktischen Länder ist politischer Wille gefordert - und da kommen wir ins Spiel. Durch die Stärke unseres Anliegens und unsere große Zahl werden wir es schaffen, die Einstellungen in diesen Ländern zu ändern und Regierungen zum Handeln zu bewegen.

  • 4 Millionen Menschen leben in der Arktis, werden die Schutzgebiete ihre Gebiete miteinschließen?

    Mit dieser Bewegung wollen wir nicht die ganze Arktis zu einem Schutzgebiet machen - und wir fordern kein Verbot von jeder Art von Fischerei. Wir verlangen ein Schutzgebiet in der sogenannten hohen Arktis. Das ist die bislang keinem Staat zugehörige Region rund um den Nordpol - eine Gegend, in der keine Menschen leben und die mit dem Abschmelzen des Eises zunehmend unter Druck der Industrie gerät.

    In Russland sind die Folgen der Ölindustrie für die Arktis bereits sichtbar: Die Lebensgewohnheiten und die Zukunft der Menschen sind durch das "Big Oil" zerstört worden. In den restlichen Gebieten der Arktis darf so etwas nicht passieren.

    Greenpeace-Geschäftsführer Kumi Naidoo sagte: "Die Arktis wird angegriffen und ist darauf angewiesen, dass sich Menschen aus der ganzen Welt dagegen erheben und ihren Schutz einfordern. Das Verbot von Offshore-Ölbohrungen und industrieller Fischerei wäre ein großer Sieg gegen die Kräfte, die sich gegen die Arktis und die Menschen in der Arktis verschworen haben. Und ein Schutzgebiet in der unbewohnten Gegen rund um den Nordpol würde schlagartig eine Kolonisierung der Spitze der Welt durch die Industrie abwenden ohne dabei die Rechte der indigenen Bevölkerung zu verletzen."

Rund ums Öl  
  • Wieviel Öl liegt da unter der Arktis? Brauchen wir das nicht?

    Das "US Geological Survey" schätzt, dass in der Region etwa 13 Prozent der weltweit noch unentdeckten Ölvorräte schlummern - das sind rund 90 Milliarden Barrel. Den Ölbedarf der gesamten Welt könnte diese Menge drei Jahre lang stillen - unter Inkaufnahme einer Kolonisierung der Arktis durch verschmutzende Industrien. Stattdessen sollten wir in grüne Technologien investieren, so dass unsere Autos langfristig von erneuerbaren Energien betrieben werden können und kurzfristig sehr viel weniger Öl verbrauchen.

  • Wie wahrscheinlich ist ein Ölunfall in der Arktis?

    Der Betrieb von Anlagen in den eisigen Gewässern der Polargegend ist unglaublich riskant und ein Ölunfall hier hätte katastrophale Folgen. Die Ölindustrie hat bereits zugegeben, dass sie nur sehr wenig tun kann, um ein Unglück in der Größenordnung des Deepwater Horizon-Blowout zu verhindern. Ein solches Unglück würde das einzigartige Ökosystem und die indigenen Völker, die von diesem Ökosystem abhängen, schwer schädigen.

    Und nur aufgrund des Rückgangs von arktischem Meereis sind große Ölkonzerne wie Shell überhaupt dazu in der Lage in bisher unerreichbare Gegenden vorzustoßen. Es ist Wahnsinn, dass diese Konzerne das Verschwinden der Eisschicht als Profitmöglichkeit begreifen - und nicht als eindringliches Warnzeichen.

    Die extrem tiefen Temperaturen, die Gefahren durch driftende Eisberge, die geringe Sichtweite und die Entlegenheit der Region sorgen für ein hohes Risiko eine Ölunfalls in dem Teil der Arktis, in dem Shell bohren will. Einige Eisberge werden wahrscheinlich zu groß sein, um von den Bohrschiffen ferngehalten werden zu können, was bedeutet, dass die Schiffe selbst auf kurzfristige Anweisungen hin bewegt werden müssen.

    Kommt es zu einem Blowout oder Leck, könnte ein weiteres Schiff Monate brauchen, um Entlastungsbohrungen durchzuführen (oft die einzige mögliche Rettungsmaßnahme). Wenn das Leck nicht geschlossen werden kann, bevor der arktische Winter Einzug hält und sich die Eisdecke schließt, könnte das Öl den ganzen Winter hindurch entweichen, unter dem Eis eingeschlossen werden[i], und möglicherweise bis zu zwei Jahr ungehindert ausströmen.

    Die für die Bodenschätze des Landes zuständige US-Behörde rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:5, dass es über die Dauer der nur für eine kleine Fläche ausgestellten Lizenzen zu einem größeren Unglück kommt. Ein Unglück im Ökosystem der Arktis hätte noch ernstere Folgen als in den warmen Gewässern des Golfs von Mexiko.

  • Wird Shell in diesem Sommer (trotzdem) bohren?

    Ja. Shells eigene Notfallpläne offenbaren, dass es unmöglich ist, mit einem Ölunfall in Alaska angemessen umzugehen. Im Plan für die Beaufortsee steht, dass "das Eindringen von Eis sich [in den Sommermonaten] jederzeit ereignen kann" und dass "wenn diese Bedingungen fortschreiten, die Wirksamkeit physischer Barrieren und Aufräum-Methoden [removal tactics] abnimmt." Das Unternehmen erklärt sogar, dass "alle physischen Aufräum-Methoden aufgegeben werden" wenn die Bedingungen sich zu sehr verschlechtern, weil "es möglicherweise nicht praktikabel und unsicher ist, auf die verölte [sic] Zone zuzugreifen aufgrund ihrer Bewegung und ausgiebigen Driftens und Auffurchens des Eises."

    Unglaublich: Shells Notfallplan erklärt, dass Öl nur "auf eine relativ kleine Fläche auf dem Wasser" freigesetzt werden würde, obwohl US-Behörden schätzen, dass aus einigen der Bohrlöcher, die Shell 2012 bohren will, über 60.000 Barrel am Tag schießen könnten. Eine Methode, mit der Shell bei einem Unfall reagieren will, beinhaltet das Verbrennen von entweichendem Öl, obwohl in Eis eingeschlossenes Öl bislang nur in kleineren Experimenten verbrannt wurde und noch nie unter den erwartbaren Bedingungen der Beaufort- oder der Tschuktschensee, wo neben Eis noch mit Nebel, Dunkelheit und Hurricane-Windstärken zu kämpfen wäre. Das Unternehmen entwirft außerdem eine Barriere-Struktur ("containment structure"), mit der ein leckgeschlagenes Bohrloch abgedichtet werden soll, obgleich solche Schutzmaßnahmen noch nicht einmal vor Ort getestet werden konnten und ähnliche Konstruktionen, die BP beim Deepwater Horizon-Unglück nutzte, sich als unwirksam erwiesen haben.

  • Wie würde die Tierwelt auf einen Unfall reagieren?

    Die Auswirkungen eines Ölunfalls für die arktische Tierwelt wären verheerend und beinhalten langfristige Folgen für Eisbären, denen die Heimat unter den Tatzen wegschmilzt, Narwale, Polarfüchse, Eulen, Schwertwale und Brutstätten von Papageitauchern und Tordalken. Meeressäuger wie Robben und Walrosse könnten über die Nahrungskette in Mitleidenschaft gezogen werden.

    Allein in Alaska erstrecken sich über etwa 65000 Kilometer Küstenlinie - mehr als in allen übrigen US-Staaten zusammen - und ein Ölunfall hätte katastrophale Auswirkungen auf Tierwelt und Fischerei in der Gegend. Die Region ist das Habitat vieler Spezies, die es sonst nirgendwo in den USA zu finden gibt - wie den Eisbären, verschiedene Robbenarten, den Grönladwal, zahlreiche Fischarten und Vögel wie die Eiderente und den Gerfalken.

  • In der Arktis wird doch schon länger nach Öl gebohrt, oder? Shell behauptet, sie haben schon seit Jahrzehnten Erfahrungen in der Arktis gesammelt.

    Shell hat in der Tat Erfahrungen im hohen Norden gesammelt - daran besteht kein Zweifel, aber es gibt einen Unterschied zwischen dem hohen Norden und der Arktis. Ungeachtet gängiger Definitionen der Arktis (nach den Kritierien "Temperatur", "Klimabedingungen" oder "Breitengrad"): Jegliche "Erfahrung" von Shell in der Arktis bezieht sich auf Aktivitäten, die 1000 Kilometer weiter südlich stattgefunden haben als die geplanten Bohrungen in der Beaufort- und der Tschucktschensee. Die Meereseisbedingungen - die das größte Risiko für arktische Bohrprojekte bilden - sind völlig anders geartet im Golf von Alaska und der Cook Einbuchtung, wo Shell hauptsächlich Erfahrungen gesammelt hat. In der arktischen Region, in die sie diesen Sommer vordringen wollen, hat Shell vor fast 20 Jahren vier Probebohrungen und seismische Messungen durchgeführt (in der Tschuktschensee). Auch in der Beaufortsee hat Shell in den 1980er Jahren sechs Probebohrungen gemacht.

    Befähigt sie das für Arbeiten in der Region? Nicht nach der Meinung von US-Behörden. Shells Notfallplan für Alaskas Beaufortsee erklärt, dass Öl nur über eine "relativ kleine Wasserfläche" freigesetzt werden würde. Nach Shells Notfallplan für die Tschuktschensee würden schlimmstenfalls 25.000 Barrel Öl am Tag entweichen - also 750.000 Barrel nach 30 Tagen. Nach den Berechnungen des "US Bureau of Ocean Energy Management" (BOEM) könnten nach einem Blowout in der Tschuktschensee dagegen bis zu 61.000 Barrel am Tag entweichen. Im Falle eines Unfalles in einer Gegend, in der Shell keine Erfahrungen hat, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert: Shell veranschlagt für das Bohren eines Entlastungsloch in der Tschuktschensee 38 Tage. BP jedoch brauchte 85 Tage für Entlastungsbohrungen nach dem Deepwater Horizon-Unglück - viel mehr Zeit als dafür veranschlagt war, weil die Arbeiten wegen schlechten Wetters unterbrochen werden mussten. Es ist unwahrscheinlich, dass "schlechtes Wetter" im Golf von Mexiko so schlecht wird wie schlechtes Wetter in der Arktis. Nach dem BOEM-Worst Case-Szenario würden Entlastungsbohrungen bei einem großen Ölaustritt in der Arktis 74 Tage dauern. Und - BOEM zufolge - ist die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls beträchtlich.

Rund um industrielle Fischerei  
  • Nutzen indigene Völker nicht ebenfalls industrielle Fischerei-Methoden?

    So lange sie sich an Nachhaltigkeits-Kriterien hält, ist Greenpeace nicht gegen die industrielle Fischerei wie sie derzeit von den indigenen Völkern der Arktis durchgeführt wird. Greenpeace setzt sich allerdings gegen die industrielle Ausbeutung durch große Fischerei-Flotten ein, die sich aus der USA, der EU, Asien und anderen Gegenden auf den Weg in die Arktis machen. Unser Ziel ist es, die Arktis vor zerstörerischer Fischerei zu schützen, um die marinen Lebewesen zu bewahren, die bereits durch den Klimawandel bedroht sind und um sicherzustellen, dass die Völker der Arktis nicht das Schicksal jener afrikanischer Länder teilen müssen, in denen ungebremster Fischfang durch Fischereiflotten marine Ökosystem zerstören und Fischbestände dezimieren.

Rund um etwaigen Krieg  
  • Wie real ist die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen um die Arktis?

    Niemand behauptet, dass ein Krieg um die Arktis unmittelbar ausbrechen könnte. Doch kommt es in der Arktis mit der Ausbreitung von Industrien auch zu einer verstärkten militärischen Präsenz.

    Ein Report hat davor gewarnt, dass eine Zuspitzung des Konflikts die Stabilität der Region bedroht. Dem Report ("Klimawandel und internationale Sicherheit: die Arktis als Gradmesser") zufolge, ist die steigende Anzahl militärischer Einheiten eher auf eine zunehmende Bereitschaft zu Kampfeshandlungen zurückzuführen als auf Sicherung.

    Der Report, veröffentlicht von der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation "Centre for Climate and Energy Solutions (C2ES)", warnt: "Obwohl das Bemühen um Kooperation offiziell Vorrang hat, haben die meisten arktischen Nationen damit begonnen, ihre militärischen Einsatzmöglichkeiten in der Region neu aufzubauen und zu modernisieren. Die neuen militärischen Programme sind auf Kampfeshandlungen ausgerichtet, die bloße polizeiliche Befähigungen übersteigen." Und weiter: "Staaten wie Norwegen und Russland sind dabei, neue Marineeinheiten aufzubauen, die in hochintensiven Konflikten eingesetzt werden können. Zwar könnte diese Befähigung als umsichtig aufgefasst werden. Doch wenn Rivalen mit komplexen Waffensystemen eingeschüchtert oder unterdrückt werden können, könnte das Diplomatie und Stabilität in der Region unterminieren."

Allgemeines zur Arktis  
  • Warum muss die Arktis gerade jetzt geschützt werden?

    Die Arktis ist ein einzigartiges und sensibles Ökosystem. Sie ist nicht nur die Heimat vieler verschiedener Tierarten, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt, sondern auch für das Weltklima von entscheidender Bedeutung. Aber die Arktis ist in Gefahr - durch den Klimawandel, Ölbohrungen, industrielle Fischerei und Schiffahrt: Probleme, die allesamt durch das Abschmelzen des Eises verursacht werden. In nur dreißig Jahren sind gut 75 Prozent des arktischen Meereises verloren gegangen (gemessen am Volumen im Sommer). Das Eis schmilzt und Unternehmen dringen vor, um Öl, wertvolle Metalle und die Fischbestände der Arktis auszubeuten. Sie warten darauf, dass sie bald auch die Nordroute nutzen können, um Schifffahrtswege abzukürzen. Die Folge: Gefahren durch Ölunfälle, Verschmutzung und Unterwasser-Lärm, Überfischung, Zerstörung von Lebensraum und Einschleppung von fremden Tier- und Pflanzenarten.

  • Wer sagt, dass 75% des Meereises geschmolzen seien?

    Das Polar Science Center in Washington, USA hat gezeigt, dass die besagten 75 Prozent sich auf einen Vergleich der minimalen Eisvolumina der Septembermonate 1979 und 2011 beziehen. Ein weiterer, führender Wissenschaftler, Professor Peter Wadhams von der Universität Cambridge, hat diese Zahlen bestätigt. In der Praxis wird außerdem das Ausmaß bzw. das Areal des abschmelzenden Eis gemessen (im Gegensatz zur Berechnung des Volumen wird dabei die Dicke des Eis nicht einbezogen). Auch hierbei zeigt sich ein eindeutiger und besorgniserregender Rückgang des Eises über einen Zeitraum von nur wenigen Jahrzehnten. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Zahl "75 Prozent" noch nicht durch den Weltklimarats (IPCC) verifiziert wurde, was den "Goldstandard" bei der Überprüfung darstellt. Fest steht nur: Das Eis verschwindet in alarmierender Geschwindigkeit. Wenn du mehr darüber erfahren willst, wirf einen Blick auf folgende Artikel:
    Polar Science Centers
    National Snow & Ice Data Center
    The Carbon Brief

  • Was bedeutet das Abschmelzen der Arktis für mich persönlich?

    Das Abschmelzen der Arktis ist ein Problem, das uns alle angeht. Die Arktis funktioniert in etwa wie ein gewaltiger Kühlschrank. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen schmilzt das Eis ab und damit steht die Kühlschranktür weit offen. Der Grund: Eis ist hochgradig reflektierend. Ein Großteil der Energie in Sonnenstrahlen wird vom Eis zurück ins Weltall reflektiert. Offene Gewässer dagegen reflektieren weniger Sonnenlicht und absorbieren es stattdessen. Wie ein Sonnenhut sorgt das Eis der Arktis so dafür, dass sich die Erdatmosphäre nicht aufheizt. Eine weitere Gefahr ist die Freisetzung von Methan. In der Arktis versiegeln Eis und Permafrost Methantaschen und riesige Mengen toter Vegetation. Durch das Abtauen werden somit Methan und CO2 freigesetzt. Methan ist ein hochwirksames Treibhausgas, dessen kurzfristiger Wärmeeffekt um ein Vielfaches höher liegt als der von CO2. Neuerliche Freisetzungen von Methan in der Arktis haben in der Wissenschaft große Sorgen ausgelöst, wobei mangels Daten eine Einschätzung, wie ungewöhnlich diese Geschehnisse historisch sind, schwierig ist. Wie ein Deckel über einer Suppenschüssel verhindert die Eisschicht der Arktis, dass das Meer darunter gegen die Küste klatscht. Die Schicht absorbiert die Energie großer Wellen und verhindert, dass diese gegen Strände und Klippen schlagen. Doch das Eis schmilzt und das Meer überflutet immer häufiger Küstendörfer und verursacht schwere Erosionen.