Fragen und Antworten

Landwirtschaft & Gentechnik

Gentechnologie in der Landwirtschaft hat weitreichende und zum Teil noch nicht erforschte Konsequenzen. Gentechnologisch veränderte Pflanzen verbreiten sich in der Umwelt unvorhersehbar, die Folgen für Mensch und Natur sind schwer kalkulierbar. Hier finden Sie einige der häufigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema.

Gentechnik  
  • Was ist (Agro)-Gentechnik?

    Im Gentechnik-Labor werden natürliche Artgrenzen ignoriert. So landet ein Gen eines Bodenbakteriums in einer Maispflanze oder ein Rattengen im Kopfsalat. Hierin unterscheidet sich die Gentechnik gravierend von der herkömmlichen Züchtung, denn Ratten und Salate kreuzen sich naturgemäss nicht. Meistens werden die artfremden Gene mit einem so genannten Schrotschuss-Verfahren in das Erbgut geschleust. Wo die Gene dabei eingebaut werden, ist weitgehend unbekannt. Unberücksichtigt bleibt dabei, dass das jeweilige Umfeld für die Funktion eines Gens eine grosse Rolle spielt. Anders ist nicht zu erklären, dass das Erbgut von Leber und Niere des Menschen zu 100 Prozent identisch ist, diese Organe jedoch so unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen. Zudem ist die Annahme der Gentechniker, ein Gen sei nur für eine Eigenschaft verantwortlich, wissenschaftlich längst überholt. So könnte ein in eine Pflanze hineinmanipuliertes Gen, das beispielsweise ein Insektengift bildet, zusätzlich noch andere Gifte produzieren.

  • Warum ist Greenpeace gegen Gentechnologie?

    Greenpeace setzt sich gegen die so genannte «Grüne Gentechnik» ein. Diese hat das Ziel, Nutzpflanzen über Eingriffe in das Erbmaterial mit zusätzlichen Eigenschaften auszustatten. Gentech-Pflanzen sind lebendig, pflanzen sich fort und beachten keine Ackergrenzen. Einmal in die Umwelt ausgesetzt, sind sie nicht mehr rückholbar und können ihre Eigenschaften durch Pollenflug oder Insekten auf herkömmliche verwandte Pflanzen übertragen. In Kanadas Rapsanbaugebieten hat sich Gentech-Raps fast flächendeckend ausgebreitet, so dass Biobauern ihren Raps-Anbau aufgeben mussten. Ihre Ernten sind verunreinigt. Gentech-Pflanzen machen aber nicht nur langfristig die gentechnikfreie Landwirtschaft unmöglich, sie stellen auch eine Gefahr für die biologische Vielfalt dar: In Pflanzen eingebautes Insektengift schädigt auch nützliche Insekten. Und Schädlinge können gegen das Gift unempfindlich werden. Gentechnisch veränderte Pflanzen, die widerstandsfähig gegen Spritzmittel sind, vergrössern den Gifteinsatz in der Landwirtschaft.

  • Was sind die Risiken der Gentechnologie?

    Gentech-Pflanzen können sich unkontrolliert vermehren. Durch Pollenflug oder Insekten kann sich die genmanipulierte Erbmasse auch auf herkömmliche Pflanzen übertragen, z.B. Resistenzen gegen Unkrautvertilger. Das ergibt so genannte «Superunkräuter», Pflanzen, die sich kaum mehr mit Spritzmitteln bekämpfen lassen. Gentech-Pflanzen können nicht nur Schad- sondern auch Nutzinsekten (z.B. Schmetterlinge) schädigen. Genmanipuliertes Saatgut kann die Felder von Biobauern und anderen gentechfrei wirtschaftenden Bauern verunreinigen, da Pollen vom Wind über mehrere hundert Meter, teilweise sogar Kilometer, getragen werden. Auch bei der Ernte und beim Erntetransport ist der Eintrag von genmanipuliertem Saatgut auf gentechfreie Flächen nicht zu verhindern. Tiere und Pflanzen haben eine immer schmalere genetische Basis, da die Sorten- und Artenvielfalt abnimmt. d.h. Krankheiten und Schädlinge können in kurzer Zeit grosse Bestände dahinraffen. Die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten ist jedoch zentral für die zukünftige Ernährung der Weltbevölkerung und für das Gleichgewicht in der Natur. Die Langzeitauswirkungen auf die menschliche Gesundheit bei der Ernährung mit genmanipulierten Nahrungsmitteln sind bisher nicht ausreichend erforscht. Es ist also nicht auszuschliessen, dass Gentech-Food gesundheitliche Probleme schaffen oder verstärken kann.

  • Werden genmanipulierte Pflanzen in der Schweiz angebaut?

    Gentech-Pflanzen dürfen in der Schweiz bis Ende 2017 nicht angebaut werden. Das ist dem Anbau-Moratorium zu verdanken, dem das Schweizer Stimmvolk im Jahre 2005 zugestimmt hat und das nun zum zweiten Mal verlängert wurde.

  • Gibt es in der Schweiz gentechnisch veränderte Lebensmittel?

    Die Einfuhr und der Verkauf von genmanipulierten Lebens- und Futtermittel sind dann erlaubt, wenn die entsprechenden gentechnisch veränderten Organismen (GVO) eine Zulassungsbewilligung erteilt bekommen haben. Solche Produkte müssen gekennzeichnet werden, wenn von einer Zutat mehr als 0.9 Prozent gentechnisch verändert sind. Tatsächlich verzichten aber die Schweizer Bauern freiwillig auf gentechnisch veränderte Futtermittel und die Grossverteiler auf den Verkauf von Gentech-Food. Denn wie repräsentative Umfragen zeigen, sieht der Grossteil der KonsumentInnen in gentechnisch veränderten Lebensmitteln mehr Gefahren als Nutzen. Immer mehr KonsumentInnen verlangen natürliche Lebensmittel, die ohne Pestizide und Gentechnik auskommen und aus tierfreundlicher Haltung stammen.

  • Wie kann ich sicher gehen, dass keine Gentechnik auf meinem Teller landet?

    Durch bewussten Konsum einheimischer oder ökologischer Lebensmittel unterstützen Sie eine vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft. Folgende Schweizer Labels garantieren Gentechfreiheit: Bio-Suisse (Knospe), Demeter, KAG Freiland, IP-Suisse , Emmi, Baer, Coop Naturaplan, Bio (Migros), Proterra.

  • Sind die gesetzlichen Bestimmungen über Einfuhr und Verkauf von Gentech-Produkten in der Schweiz ausreichend?

    Der allergrösste Teil der weltweiten Gentech-Ernten landen in den Futtertrögen von Nutztieren. Tierische Produkte müssen aber nicht entsprechend gekennzeichnet werden. Das ist absolut unbefriedigend. Zur Zeit sind auch 0,5% Gentech-Verunreinigung im Saatgut oder in Lebensmitteln erlaubt, wenn diese unbeabsichtigterweise unbewilligte GVOs enthalten.

  • Ist die Gentechnologie die Lösung des Welthungerproblems?

    Gentech-Lebensmittel sind kein Rezept gegen den Hunger auf dieser Welt. Die Ursachen für Hunger liegt vor allem an einer falschen Verteilung, fehlenden Infrastrukturen und der wachsenden Nachfrage nach Agrotreibstoffen und Futtermitteln. Laut Jean Ziegler, Ex-UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, könnten die derzeitigen Erträge 12 Milliarden Menschen ernähren. Der erste Weltagrarbericht, verfasst von über 400 WissenschaftlerInnen kommt zum Schluss, dass eine lokale und ökologische Landwirtschaft die Ernährung der Weltbevölkerung sicher stellen kann, Gentechnologie spielt da keine Rolle.

  • Führt Gentechnologie zu einer Verringerung des Spritzmitteleinsatzes?

    Die meisten heute kommerziell angebauten Gentech-Pflanzen sind gegen Totalherbizige resistent, das heisst, sie überleben Spritzmitteleinsätze. In Nordamerika, wo Gentech-Pflanzen grossflächig angebaut werden, haben mittlerweile auch Unkräuter neue Abwehrkräfte entwickelt und überleben Sprühregen. Um sie zu bekämpfen, müssen mehr und stärkere Gifte eingesetzt werden. So führen Gentech-Kulturen zu einem steigenden Spritzmitteleinsatz auf dem Acker. Agro-Gentechnik zementiert die industrielle, von Monokulturen geprägte Landwirtschaft.

  • Was ist das Vorsorgeprinzip und in welcher Beziehung steht es zur Gentechnologie?

    Das Vorsorgeprinzip ist eines der Grundprinzipien des Schweizerischen Umweltrechts: «Im Sinne der Vorsorge sind Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, frühzeitig zu begrenzen.» (Art. 1 Abs. 2USG) Das heisst, dass Schutzmassnahmen (hier in Bezug auf die möglichen negativen Auswirkungen von GVOs auf Gesundheit und Natur, soweit noch nicht bekannt) auch dann zu ergreifen sind, wenn ihre Notwendigkeit oder Wirksamkeit nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit nachgewiesen ist (negative Gesundheitsauswirkungen)

  • Was kann ich im privaten Umfeld tun?

    Kaufen Sie biologische, lokal erzeugte Lebensmittel. Unterstützen Sie PolitikerInnen und Parteien, die die Förderung einer ökologisch und lokal ausgerichteten Landwirtschaft vorantreiben.

  • Wo finde ich weitere Informationen zum Thema Gentechnik?
Auf dieser Seite