Die Bedrohungen unserer Meere

Unsere Ozeane stecken tief in der Krise

Informationsseite - 12. Januar, 2011
Sie bedecken Dreiviertel der Erde: Es sind unsere Ozeane, die unseren Planeten aus dem Universum blau erscheinen lassen.

Der Ozean ist ein atemberaubender, vielseitiger Lebensraum, der, auch wenn von der Schweiz weit entfernt, unser tägliches Leben prägt: Die Ozeane bestimmen nicht nur das Klima und den weltweiten Wasserkreislauf. Wissenschaftler schätzen, dass mehr als die Hälfte des weltweit verfügbaren Sauerstoffs von einzelligen Meeresalgen produziert wird – jeder zweite unserer Atemzüge stammt also aus dem Meer.

In Jahrmillionen haben sich die Meere langsam entwickelt, sie sind Sinnbild für einen unermesslichen Lebensreichtum. Die Artenvielfalt in unseren Ozeanen wird auf eine Million verschiedener Lebewesen  geschätzt, dank einer wissenschaftlichen «Volkszählung in den Meeren», die tausende Meeresbiologen rund um die Welt in den letzten 10 Jahren durchgeführt haben, sind uns 250.000 Arten bekannt.

Die farbenprächtigen Korallenriffe der Tropen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Hochproduktiv ist aber auch die Tiefsee – trotz Finsternis und Kälte. Selbst im elf Kilometer tiefen Marianengraben vor den Philippinen gibt es noch Leben. Das Meer steckt voller Geheimnisse: Immer noch besitzen wir von der Mond-Oberfläche genaueres Kartenmaterial als von der Tiefsee. Dabei ist die Erforschung der Ozeane mittlerweile zu einem Wettlauf mit der Zeit geworden.

Denn die Meere sind vor allem «Wirtschaftsraum» für den Menschen und als solcher werden sie genutzt – und dabei leider auch vergiftet und gnadenlos ausgebeutet. Öl- und Gasförderung, die Suche nach Bodenschätzen, Kiesabbau, Walfang, radioaktive Einleitungen, Wasserstrassen für tausende Handelsschiffe und Tanker: Nur in den seltensten Fällen wird bei der industriellen Nutzung Rücksicht genommen, denn verantwortungsvolles Handeln könnte den Profit schmälern.

Die massive Überfischung gilt als die grösste Bedrohung für die Ozeane: Rücksichtslos plündern hochgerüstete Fangflotten die Fischbestände, so dass viele Fische gar nicht mehr alt genug werden, um sich vermehren zu können. 80 Prozent der Fischbestände sind bereits komplett ausgebeutet, überfischt oder erschöpft, 90 Prozent der beliebtesten Fischarten wie Dorsch, Schwertfisch, Heilbutt und Tunfisch sind bereits aus den Meeren verschwunden - gegessen.

Auch die Folgen des Klimawandels zeigen sich deutlich: Höhere CO2-Werte in der Atmosphäre lassen die Meere langsam versauern, dem Plankton, Grundlage allen Lebens im Meer, fällt es immer schwerer eine Schale zu bilden, um sich zu schützen.

Zerstören wir den biologischen Reichtum der Meere hat dies katastrophale Folgen auch für uns Menschen: Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe, Fisch ist ihre wichtigste Ressource. Doch die Fischer von Westafrika müssen inzwischen ohnmächtig zusehen, wie die Fischindustrie ihnen alles vor der Nase wegfängt und in ihren Netzen kaum noch genug zum Überleben hängen bleibt.

Um die Artenvielfalt in den Ozeanen weltweit zu bewahren und bereits zerstörte Systeme zu regenerieren, setzt sich Greenpeace für einen Ansatz ein, der das gesamte Ökosystem schützt: die sozial verantwortliche und ökologisch nachhaltige Nutzung zusammen mit einem weltweiten Netzwerk von grossflächigen Meeres-Schutzgebieten.

Unsere Meere stecken tief in der Krise. Höchste Zeit, zu handeln!

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