Erneuerbare bergen ein Riesenpotential

Informationsseite - 3. Dezember, 2010
Seit der atomaren Katastrophe in Japan ist die Energielandschaft Schweiz dermassen in Bewegung geraten, dass einige Inhalte dieser Webseite nicht mehr aktuell sind. Wir sind bemüht, Aussagen und Zahlen der neuen Situation rasch anzupassen. Bitte kommen Sie bald wieder.

Wird das immense Potenzial der neuen erneuerbaren Energien Sonne, Wind, Biomasse und Erdwärme ausgeschöpft, so lässt sich der Anteil der Erneuerbaren an der Schweizer Stromproduktion bis 2035 um mindestens 9 Terawattstunden erhöhen.

Die Energie von drei AKWs könnte durch den Einsatz von erneuerbaren Energien gedeckt werden.

Das Energiegesetz schreibt vor, dass bis 2030 mindestens 5,4 Terwattstunden mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden soll, was 10 Prozent des heutigen Stromverbrauchs (2009: 57,5 Twh) entspricht. Dies ist ein sehr bescheidenes Ziel angesichts des grossen Potenzials der neuen erneuerbaren Energien in der Schweiz.

Sonnenenergie

Die Sonne bestrahlt die Schweiz mit soviel Energie, dass damit der Gesamtenergieverbrauch 220 mal gedeckt werden könnte. Noch ist die Schweiz allerdings kein Solarland. Millionen von Quadratmetern ungenutzter Fläche auf bestehenden und neuen Dächern, Fassaden, auf Lärmschutzwänden oder Lawinenverbauungen sind noch ungenutzt für die Fotovoltaik, einer Technologie, bei der mittels Solarzellen aus Sonnenlicht Strom generiert wird. Weltweit liessen sich bis 2020 mit Fotovoltaik 1 Milliarde Menschen mit Strom versorgen. 

Mittels Solarzellen lässt sich aus Sonnenlicht Strom gewinnen. In der Schweiz könnten noch unzählige Flächen für Fotovoltaik genutzt werden.

© Greenpeace

Das Potenzial der Fotovoltaik in der Schweiz: In der Schweiz kann langfristig rund ein Drittel des Strombedarfs mit Fotovoltaik gedeckt werden (18 TWh). Das Bundesamt für Energie geht bis 2035 von einem Potential von nur rund 1 TWh aus, also etwa einem Drittel der Produktion eines AKW Mühleberg.

Im Rahmen des Umweltbildungsprojekts Jugendsolar treibt Greenpeace schon seit 1998 in der ganzen Schweiz den Bau von Anlagen zur Gewinnung von Sonnenenergie voran. Mehr als 10'000 Jugendliche haben bis heute bei der Montage von über 180 Anlagen mitgearbeitet – dazu gehörte auch die 2010 in Melchnau erstellte, bisher grösste Fotovoltaikanlage der Schweiz.

Mehr Informationen:
Jugendsolar
Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie

 

In der Schweiz wachsen järhlich rund 9 bis 10 Millionen Kubikmeter Holz zu - eine wertvolle erneuerbare Energieressource.

Creative Commons 2.0 / Flickr

Biomasse

Biologische Energieträger sind Holz, Feldfrüchte, Algen und andere Pflanzen, Pflanzenöle sowie Reste aus der Land- und Forstwirtschaft. Diese können zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden, z.B. in Biogasanlagen, Kehrrichtverbrennungen usw. Sie sind erneuerbar und –  vorausgesetzt sie werden ökologisch produziert und geerntet –  nahezu CO2-neutral. Anders als Wind- oder Sonnenenergie ist Energie aus Biomasse speicherfähig, also dann verfügbar, wenn sie benötigt wird.

Das Potenzial von Biomasse in Schweiz: Das Bundesamt für Energie schätzt das Potenzial auf rund 4 TWh, also knapp 1.5 AKW Mühleberg.

Das Bioenergiedorf im deutschen Juehnde speist seinen gesamten Strom- und Wärmebedarf aus Biomasse und gilt weit über die Landesgrenzen hinaus als beispielhaft für eine ökologische und lokale Energieversorgung.

 

Eine heisse Quelle im Yellowstone-Nationalpark in den USA. In der Schweiz sind die geothermischen Spots unter der Erde versteckt.

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Erdwärme

Erdwärme bietet eine von Klima, Tages- und Jahreszeit unabhängige Energiequelle zur Wärme- und Stromerzeugung. Unterschiedliche Temperaturen und Tiefenbereiche ermöglichen verschiedene Nutzungen der Erdwärme. Bei der in der Schweiz weit verbreiteten, oberflächennahen Geothermie (bis wenige 100 Meter Tiefe) wird die Erdwärme per Wärmepumpen an die Oberfläche gebracht und zur Wärmeerzeugung genutzt.
Bei der tiefen Geothermie (bis mehrere Kilometer Tiefe) wird durch Bohrlöcher hindurch kaltes Wasser in heisses Gestein gepresst, aufgeheizt und aus dem heissen Dampf Strom erzeugt.

Das Potenzial von Erdwärme in der Schweiz: Gemäss Bundesamt für Energie kann Geothermie langfristig den Landesverbrauch decken. Da jedoch noch einige technische Hürden zu meistern sind, schätzt das BFE das Potenzial mittelfristig lediglich auf 2.2 TWh, also etwas weniger als 1 AKW Mühleberg.

Mehr Informationen:
Schweizerische Vereinigung für Geothermie

 

Im Jahr 2050 könnten 1 Million Haushalte in der Schweiz mit Strom aus Windkraft versorgt werden - sofern der politische Wille da ist, diese erneuerbare Energie auch in der Schweiz zu fördern.

© Greenpeace

Windenergie

Die Windenergie ist seit 20 Jahren die am schnellsten wachsende Energiequelle der Welt. Die in der EU installierte Windleistung wächst jährlich um rund 30%.

In der Schweiz ist das Windpotenzial stark von den geografischen Gegebenheiten abhängig. 2010 sind 25 Anlagen in Betrieb, bis 2015 sollen es schon 111 sein.  Das bisher grösste Windkraftwerk der Schweiz steht auf dem Mont Crosin im Berner Jura.

Das Potenzial der Windenergie in der Schweiz: Das Potenzial unter Berücksichtigung des Naturschutzes liegt zwischen 1.5 und 4 TWh. Das BFE hält mittelfristig 1.5 TWh für realisierbar, also ½ AKW Mühleberg.

Mehr Informationen:
Wie funktioniert Windkraft?
Vereinigung zur Förderung der Windenergie in der Schweiz

 

Stauseen wie der Griesssee im Kanton Wallis produzieren Strom aus Wasserkraft und decken damit zwei Drittel unseres Strombedarfs. Kommt Strom aus Sonne, Wind, Biomasse und Geothermie dazu, ist die Schweiz gerüstet für eine Stromzukunft ohne AKW.

Creative Commons 2.0 / Flickr

Wasserkraft

Wasserkraft ist die traditionsreichste und wichtigste erneuerbare Energiequelle in der Schweiz. Es werden daraus rund 60 Prozent des Schweizer Strombedarfs gedeckt. Strom aus Wasserkraft wird in Flusskraftwerken und mit Speicherseen produziert. Der grosse Vorteil der Wasserkraft liegt darin, dass der produzierte Strom stetig anfällt und ziemlich leicht gespeichert werden kann. Wasserkraft ist damit grundlastfähig, kann aber auch den Strombedarf in Spitzenverbrauchszeiten decken, indem in Stauseen gespeichertes Wasser in Sekundenschnelle auf Turbinen umgeleitet wird. 

Während das Potenzial der grossen Flusskraftwerke im Mittelland weitgehend ausgeschöpft ist, gibt es bei den Kleinwasserkraftwerken noch Ausbaumöglichkeiten.

Das Potenzial der Wasserkraft in der Schweiz: Mit einem ökologisch verträglichen Ausbau der Kleinwasserkraftwerke und der Optimierung bestehender Kraftwerke können zusätzlich mindestens 2.5 TWh gewonnen werden, also knapp 1 AKW Mühleberg.

 

Die Ressourcen sind da – und wollen intelligent genutzt sein

Damit die dezentrale Stromversorgung aus erneuerbaren Energien in der Schweiz Realität ist, wenn die ersten Atomkraftwerke vom Netz gehen, braucht es eine fortschrittliche Energiepolitik, welche die Ausschöpfung des Potenzials vorantreibt. Zudem ist die richtige Infrastruktur nötig, damit die vorhandenen Ressourcen sinnvoll genutzt werden können. Ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid) muss in der Schweiz dafür sorgen, dass die schwankende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien bedarfsgerecht geregelt wird. Mit einer ausgebauten  Speichertechnologie lassen sich unregelmässig anfallende Strommengen aus Erneuerbaren speichern und der Nachfrage entsprechend verteilen. Die Schweiz könnte sich dank ihren Speicherseen im europaweiten Stromnetz als «Batterie» Europas etablieren.