Schweiz: Bonfol

Informationsseite - 23. Januar, 2012
Der Spatenstich zur Totalsanierung der Chemiemülldeponie Bonfol ist nach 10 Jahren erfolgt. Dies ist ein grosser Sieg für die Umwelt, die betroffene Bevölkerung, für Greenpeace sowie die im Collectif Bonfol zusammengeschlossenen Organisationen und Gewerkschaften, die sich über ein Jahrzehnt lang für die sichere und saubere Totalsanierung eingesetzt haben. Die eindrückliche Baustelle und die riesige Halle, in der dank Greenpeace alle giftigen Deponie-Gase aufgefangen und unschädlich gemacht werden, widerspiegeln das tatsächliche Ausmass des Problems des vergrabenen Chemiemülls, der Novartis & Co. dort vor 50 Jahren abgegekippt hatten.

Bonfol Rückblick Jan 2000 - Die Umweltorganisation Greenpeace fordert die Basler Chemische Industrie - in erster Linie den Fusionsmulti Novartis - ultimativ dazu auf, die von ihr gelegten chemischen Zeitbomben sofort zu entschärfen. Die Sanierungsarbeiten in der jurassischen Sondermülldeponie Bonfol müssen in diesem Jahr angegangen werden. Die Deponie, die klar gegen die Altlastenverordnung verstösst, befindet sich in einem kontrollierten Störfall: Die Giftmüll-Fässer aus der Basler Industrie liegen im Wasser und rosten durch. Diese schleichende Vergiftung muss gestoppt werden. Im Rahmen der internationalen Kampagne gegen schwerabbaubare organische Schadstoffe (POP), deren Verbreitung durch die POPs-Konvention der UNO eingedämmt werden soll, bekämpft Greenpeace Schweiz die Langzeitgefahren, die hierzulande durch die Chemiealtlasten drohen.

Im Sickerwasser der Sondermülldeponie im jurassischen Bonfol finden sich immer höhere Anteile von Eisen. Dies ist für Greenpeace ein Alarmsignal - die Chemiemüllfässer rosten durch, im aggressiven Milieu der Deponie, in die zwischen 1961 und 1976 rund 140'000 Tonnen giftige und teilweise unbekannte Industrieabfälle billig «entsorgt» wurden, treten nun vermehrt flüssige Gifte aus. Die Deponie stellt eine permanente Gefahr für die Umwelt dar und es ist sogar nach Aussagen der Deponiebetreuer von der Firma Colombi, Schmutz und Dorthé (CSD) «...davon auszugehen, dass längerfristig die Wahrscheinlichkeit von Störfällen zunimmt». Es ist höchste Zeit, dass die chemische Industrie für die Sünden der Vergangenheit gerade steht und dafür sorgt, dass die Langzeitrisiken durch die Billig-Giftentsorgung früherer Jahre beseitigt werden. Greenpeace fordert die Basler Chemie auf, sowohl in Bonfol, wie auch in den Problemdeponien Koelliken und Teuftal mit der Sanierung zu beginnen. Die Deponie Bonfol ist nicht legal, sie widerspricht der Altlastenverordnung, die keine Deponien mit einem derartigen Gefahrenpotential zulässt. Die Profite, die die chemische Industrie aus dieser Form der Billig-Entsorgung erzielte, müssen nun auch zur Sanierung der hausgemachten Altlasten eingesetzt werden. Denn insbesondere schwerabbaubare organische Verbindungen reichern sich in der Nahrungskette und über das Grundwasser letzlich auch im menschlichen Körper an. Auch in und um Basel hat die Chemische Industrie ein gutes Dutzend solcher gefährlicher Chemie-Altlasten produziert - dieses «Erbe» dürfen die verantwortlichen Konzerne nicht kommenden Generationen überlassen. Bereits im Oktober 1999 hat Greenpeace in Basel eine Strafanzeige wegen Grundwasserverschmutzung gegen Novartis eingereicht.

Vor zehn Jahren besetzten über 100 Greenpeace-Aktivisten das Deponie-Gelände. Damals sah es dort ganz anders aus: Ein Deckel über einer grossen Deponie mit angepflanzten Tannenbäumchen in einer trügerisch-idyllischen Landschaft – die Chemie versuchte Jahrzehnte lang, Gras über diese tickende Zeitbombe wachsen zu lassen. Die Baustelle ist ein eindrückliches Zeugnis davon, welchen Unterschied Greenpeace in Bonfol für Mensch und Umwelt machen konnte!

Schweiz Aktuell Bericht

 

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