Sternstunden

Informationsseite - 23. Juni, 2010
Denkwürdige Aktionen von Greenpeace, welche in die Geschichte eingegangen sind gibt es viele, hier zwei Beispiele:

1985 Rongelap © Greenpeace / Fernando Pereira

Die Evakuierung von Rongelap

Seit dem Beginn des Kalten Krieges lebte die Welt in Angst vor einem Atomkrieg, für viele Inselbewohner der Pazifikinseln jedoch war der nukleare Krieg Realität. Während der 8 Jahre dauernden Atomtests auf dem Bikini Atoll wurden 66 Bomben gezündet und verseuchten die ganze Region.

Im März 1954 zündeten die USA eine Wasserstoffbombe mit dem Codenamen «Bravo». Die 15 Megatonnen Bombe war tausendmal stärker als «Little Boy», die über Hiroshima abgeworfen wurde. Nach der Explosion wurde weltweit eine erhebliche Erhöhung der Hintergrundstrahlung beobachtet.

Die Einwohner von Bikini und Enewetak wurden vor dem Test evakuiert, aber die Bewohner vom 150 Kilometer entfernten Rongelap hatten nicht so viel Glück. Ungefähr 4 Stunden nach der Zündung regnete es feine weisse Asche auf den Köpfen und Armen der Menschen, die im Freien standen. Die Asche löste sich im Trinkwasser auf und verunreinigte es. Die schneeartige Asche regnete den ganzen Tag über bis in die Nacht hinein, bis eine etwa 2 cm dicke Schicht den Boden bedeckte. Ein Tag nach der Explosion kamen amerikanische Wissenschafter in Schutzanzügen auf die Insel und massen die Strahlung gingen nach 20 Minuten wieder, ohne ein Wort an die Einwohner zu richten. Obwohl die US-amerikanischen Verantwortlichen wussten, dass die Asche durch starke Winde direkt auf Rongelap wehte, veranlassten sie die Evakuierung erst nach 48 Stunden. Etliche Bewohner der Marschall Inseln glauben, dass man die Einwohner von Rongelap als «Versuchsobjekte» missbrauchte, um die Auswirkungen der radioaktiven Strahlung auf Menschen zu testen. Die Rongelapesen hatten alle Symptome einer schweren Verstrahlung: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Juckreiz, Brennen der Haut, der Augen und des Mundes. Sie litten an schweren grossflächigen Hautverbrennungen und verloren ihre Haare innerhalb von 2 Wochen nach der «Bravo» Explosion.

31 Jahre später hatten 95% der Bewohner Krebs, die zwischen 1948 und 1954 die schwersten Atomtests miterlebt hatten, und ein hoher Prozentanteil ihrer Kinder litt an genetischen Defekten.

Die Rongelapesen wurden drei Jahre nach der Evakuierung wieder auf der Insel abgesetzt, ohne dass je eine «Beseitigung» der Strahlenverseuchung der Insel durchgeführt worden war. Eine Studie aus dem Jahr 1979 bewies, dass die nördlichen Marschall Inseln hochgradig strahlenverseucht waren, an manchen Stellen sogar höher als auf dem Bikini-Atoll selbst. Die US-amerikanischen Behörden indessen waren sich sicher, dass Rongelap völlig sicher war.

Schliesslich baten die Rongelapesen Greenpeace um Hilfe bei der Umsiedlung auf die 180 Kilometer entfernte Insel Mejato. Die Operation «Exodus» war eine grosse logistische Herausforderung für Greenpeace. Am 17. Mai 1985 traf die «Rainbow Warrior» vor Ort ein, und die 10 Tage dauernde Umsiedlung konnte beginnen. Schliesslich waren alle 300 Einwohner und über 100 Tonnen Baumaterialien in Sicherheit gebracht worden. Die Begegnung mit den Einwohnern von Rongelap veranschaulichte den Greenpeace Aktivisten die schrecklichen Auswirkungen von Atomtests und bestärkte sie in ihrem Kampf.

1985 Brent Spar © Greenpeace / David Sims

Brent Spar


Im Jahre 1995 besetzten Greenpeace Aktivisten die Ölplattform «Brent Spar» in der Nordsee. Sie wollten die Versenkung der 14'500 Tonnen schweren Installation verhindern. Die Aktion war Teil der Kampagne gegen die Verklappung von Müll im Meer und richtete sich direkt gegen die britische Verwaltung und die damals grösste Öl-Gesellschaft. Dramatische Szenen, die Aktivisten zeigten, wie sie von Wasserwerfern attackiert wurden, gingen um die Welt. Dies führte unter anderem in Europa zu spontanen Protesten zu Gunsten von Greenpeace. Einige Tankstellen in Deutschland verzeichneten zu dieser Zeit Einbussen von bis zu 50 Prozent. Schliesslich lenkte Shell ein und veranlasste die Ölplattform an Land zu verschrotten und zu recyceln. Im Anschluss wurde ein generelles Verbot gegen die Versenkung von Ölplattformen im Meer erlassen.

Die «Brent Spar» Aktion war Teil einer grösseren Kampagne zum Schutz der Ozeane. Einige Jahre vor «Brent Spar» ist es Greenpeace erfolgreich gelungen, der Verklappung radioaktiver und industrieller Abfälle im Meer ein Ende zu setzen.