Publikumsabstimmung für die Public Eye Awards 2013 eröffnet

Mit Wirtschaftsethikern, einem Ex-Bankenregulator und Werbeparodien gegen Konzernverbrechen

Medienmitteilung - 4. Januar, 2013
Ende Januar vergeben die Erklärung von Bern und Greenpeace während dem World Economic Forum (WEF) in Davos von Konzernen gefürchteten, «Public Eye Awards» für die schlimmsten Fälle von Menschenrechtsverstössen und Umweltsünden. Auf www.publiceye.ch startet heute die mit bissigen Werbeparodien illustrierte Abstimmung für den Publikumspreis 2013. Nominiert für die berüchtigten Schmähpreise sind sieben Konzerne aus vier Kontinenten (auch eine Schweizer Firma ist nominiert). Im Rahmen der Medienkonferenz zur Preisverleihung in Davos wird der bekannte Ex-Bankenregulator William K. Black über die kriminelle Energie der Konzerne und die Oligarchie der Finanzindustrie sprechen.

Die Online-Abstimmung über das übelste Unternehmen des Jahres läuft ab heute bis 23. Januar 2013 mittags. Auf der diesjährigen Shortlist stehen die sieben skandalösesten Fälle von Konzernverbrechen, welche die neu mit internationalen renommierten Wirtschaftsethikern besetzte Jury aus über 20 Gutachten zu potenziell würdigen Preisträgern gekürt hat. Die Gutachten wurden vom Institut für Wirtschaftsethik (IWE) der Universität St. Gallen erstellt. Über 50 Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt haben die Konzerne nominiert.

Der französische Energie- und Transportkonzern Alstom ist weltweit in Korruptionsskandale verwickelt. Das Vorgehen des Konzerns hat System: Alstom offeriert lokalen Politikern Schmiergeld, teils in Millionenhöhe, um an Aufträge zu kommen. Die Häufigkeit der bekannt gewordenen Fälle legt die Frage nahe, ob es sich dabei um eine bewusst gewählte Geschäftsstrategie handelt.

Der indische Energiekonzern Coal India ist mit 400 Millionen Tonnen der weltweit grösste Kohleförderer. Er betreibt 90 Prozent aller Kohleminen in Indien und will weiterhin neue Kohlekraftwerke bauen, was Indien zum drittgrössten CO2-Emittenten der Welt machen würde. Die Kohleminen zerstören den Lebensraum vieler Gross-Säugetiere und rauben Stammesvölkern die die Heimat, was sie zu einem Leben in bitterster Armut zwingt.

Das Heer des englischen Sicherheitsdienstleisters G4S ist mit 650'000 Beschäftigten die grösste Privatarmee der Welt. Oft sind die Sicherheitskräfte schlecht ausgebildet und bezahlt. Der in 125 Ländern tätige Konzern ist in zahlreiche Verletzungen von internationalem Recht und Menschenrechten verwickelt. G4S ist in den illegal besetzten Palästinensergebieten präsent, etwa an Checkpoints und in Gefängnissen. Gleichzeitig ist der Konzern in weiteren Konfliktregionen tätig und von repressiven Regimes beschäftigt. So unter anderem in Afghanistan, Irak, Bahrain oder Saudi-Arabien.

Der Vampir des Finanzkapitals Goldman Sachs scheint Finanzblasen zu lieben. Ob Hypotheken-, Banken- oder Euro-Pleite, fast an jeder grösseren Krise verdient Goldman Sachs kräftig mit. Dabei schreckt die Bank auch nicht davor zurück, ganze Staaten in den Ruin stürzen. Goldmans Finanzkonstrukte trieben Griechenland in den Ruin und die EU in die heutige finanzielle Krise. Goldman hat daran kräftig verdient: Milliarden auf Kosten der europäischen Bevölkerung. Goldman Sachs unterhält ein undurchsichtiges, weltweit einzigartiges Netz zu ehemaligen Bankaderleuten in höchsten politischen Positionen, so wie beispielsweise zu EZB-Chef Mario Draghi.

Manager des weltweit drittgrössten Minenproduzenten und Platinförderers Lonmin forderten das südafrikanische Bergbauministerium dazu auf, gegen streikende Arbeiter der Marikana-Mine die «entsprechenden Massnahmen» zu ergreifen – mit Hilfe der Polizei oder der Armee. 44 protestierende Minenarbeiter wurden kurz darauf von der Polizei erschossen und 77 schwer verletzt. Einen Tag nach dem Massaker drohte Lonmin allen weiterhin Streikenden mit der Entlassung. Die in bitterer Armut lebenden Arbeiter hatten die Arbeit niedergelegt weil das Lonmin-Management wiederholt nicht zu Lohnverhandlungen erschienen war.

Der Schweizer Energiekonzern Repower will gegen den Widerstand der lokalen Bevölkerung im italienischen Kalabrien ein Steinkohlekraftwerk bauen. Das geplante Kraftwerk liegt mitten im Herrschaftsgebiet der italienischen und europaweit vermutlich einflussreichsten Mafia-Verbindung `Ndrangheta. Repower ist eine Verbindung mit korrupter Politik und mafiösen Strukturen eingegangen, um ein unerwünschtes, sowohl sozial als auch ökologisch unverträgliches Kohlekraftwerk zu bauen. Ihre Entschlossenheit zum Bau hat Berlusconi veranlasst, eine «Lex Repower» zu erlassen, die die Regionen ihres Mitspracherechts beraubt.

Shell will zu jedem Preis in der Arktis nach Öl bohren. Der Öl-Konzern ignoriert Katastrophen-Warnungen von Wissenschaftlern sowie Millionen von Menschen, die die Arktis schützen wollen. Pete Slaiby, Vize-Chef von Shell Alaska sagte der BBC: «Da gibt’s nichts zu beschönigen, ich denke mir, dass es Ölunfälle geben wird, und kein Unfall ist ok.» Weder diese bemerkenswerte Einsicht noch eine Pannenserie bei ersten Vorbereitungen in der Arktis haben Shell bisher dazu inspiriert, mehr Geld in Sicherheitsvorkehrungen zu investieren. Shell hat ausserdem die Umstellung auf erneuerbare Energien aus seiner langfristigen Strategie gestrichen.

Am Donnerstag, 24. Januar 2013 (9 Uhr, Kirchgemeindehaus Davos Platz) beleuchtet das WEF-kritische Public Eye das verantwortungslose Verhalten der Grosskonzerne im Rahmen einer internationalen Pressekonferenz in Davos. Dort werden die Empfänger des Jury Award (Jurypreis) und des People’s Award (Publikumspreis) bekannt gegeben. Der renommierte Autor, Ökonomie-Professor und Ex-Bankenregulator William K. Black (Buch: The Best Way to Rob a Bank is to Own One) wird dabei über die kriminelle Energie der Konzerne, die Oligarchie der Finanzindustrie und den Zustand der Demokratie sprechen.

Medienauskünfte: Yves Zenger, Medienverantwortlicher Public Eye, +41 44 447 41 56 / +41 78 682 00 91

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