{"id":27064,"date":"2026-02-14T14:00:00","date_gmt":"2026-02-14T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.org\/luxembourg\/?p=27064"},"modified":"2026-02-16T09:19:34","modified_gmt":"2026-02-16T07:19:34","slug":"eu-mercosur-warum-luxemburg-diese-toxische-beziehung-beenden-muss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.org\/luxembourg\/de\/aktualitaet\/27064\/eu-mercosur-warum-luxemburg-diese-toxische-beziehung-beenden-muss\/","title":{"rendered":"EU-Mercosur: Warum Luxemburg diese toxische Beziehung beenden muss"},"content":{"rendered":"\n<p>Der 14. Februar gilt traditionell als Tag der Liebe. Doch manche Beziehungen richten mehr Schaden als Nutzen an. Genau das trifft auf das Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-L\u00e4ndern zu, das die Europ\u00e4ische Kommission um jeden Preis durchsetzen will, ungeachtet der Warnungen der Zivilgesellschaft, des landwirtschaftlichen Sektors, der indigenen Gemeinschaften und inzwischen sogar des Europaparlaments.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"723\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2026\/02\/e0231d4a-karikatur-mercosur-accord-1024x723.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-27053\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2026\/02\/e0231d4a-karikatur-mercosur-accord-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2026\/02\/e0231d4a-karikatur-mercosur-accord-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2026\/02\/e0231d4a-karikatur-mercosur-accord-768x542.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2026\/02\/e0231d4a-karikatur-mercosur-accord-1536x1085.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2026\/02\/e0231d4a-karikatur-mercosur-accord-2048x1446.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2026\/02\/e0231d4a-karikatur-mercosur-accord-1934x1366.jpg 1934w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2026\/02\/e0231d4a-karikatur-mercosur-accord-481x340.jpg 481w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n<p>Am 21. Januar beschlossen die Europaabgeordneten in einer \u00e4u\u00dferst knappen Abstimmung, das Abkommen durch den Europ\u00e4ischen Gerichtshof pr\u00fcfen zu lassen. Es ist offensichtlich, dass erhebliche Zweifel bestehen, ob dieses mit den europ\u00e4ischen Vertr\u00e4gen und unseren Klimazielen vereinbar ist. Dennoch erw\u00e4gen Ursula von der Leyen und einige Staats- und Regierungschefs, insbesondere der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, das Abkommen vorl\u00e4ufig in Kraft zu setzen, ohne das Urteil des Gerichtshofs abzuwarten. Eine solche Verweigerung der Demokratie w\u00e4re inakzeptabel.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine Beziehung, die auf leeren Versprechen beruht<\/strong><\/h3>\n\n<p>Erst <a href=\"https:\/\/www.wort.lu\/politik\/das-eu-mercosur-abkommen-ist-die-antwort-des-multilateralismus-auf-die-abschottung\/124354542.html\">k\u00fcrzlich verteidigte<\/a> der brasilianische Pr\u00e4sident Lula da Silva das Abkommen und bezeichnete es als Antwort auf den weit verbreiteten Protektionismus. Seine verlockenden Versprechen verschleiern jedoch eine ern\u00fcchternde Realit\u00e4t.<\/p>\n\n<p>Ein Blick auf die eigenen Prognosen der Europ\u00e4ischen Kommission offenbart: Bis 2040 w\u00fcrde das Abkommen das europ\u00e4ische Bruttoinlandsprodukt (BIP) lediglich um 0,05\u202f% erh\u00f6hen, und das nur zugunsten einiger weniger Gro\u00dfindustrien. F\u00fcr diesen verschwindend geringen Vorteil m\u00fcssten wir zus\u00e4tzliche Importe an billigeren landwirtschaftlichen Produkten in Kauf nehmen, die eine b\u00e4uerliche und nachhaltige Landwirtschaft in Europa gef\u00e4hrden, die der s\u00fcdamerikanischen Konkurrenz mit deutlich niedrigeren Standards nicht gewachsen ist.<\/p>\n\n<p>Im Gegenzug w\u00fcrde Europa Pestizide exportieren, die bei uns wegen ihrer Giftigkeit verboten sind, dazu umweltsch\u00e4dliche Kunststoffe und Autos. Eine eiskalte Heuchelei. Das Abkommen setzt sogar bewusst auf Verbrenner statt auf Elektroautos, denn die Z\u00f6lle f\u00fcr Benziner und Diesel sollen schneller fallen als f\u00fcr Elektrofahrzeuge.<\/p>\n\n<p>Lula behauptet, das Abkommen sch\u00fctze die Umwelt. Das stimmt nicht. Der endg\u00fcltige Text enth\u00e4lt lediglich eine vage Absichtserkl\u00e4rung, Ma\u00dfnahmen gegen die Abholzung erst ab 2030 zu ergreifen, weit entfernt von den aktuellen internationalen Verpflichtungen und selbst den brasilianischen Zielen eines vollst\u00e4ndigen Abholzungsstopps bis 2030. Gleichzeitig wird die steigende Produktion von Fleisch und Soja die Zerst\u00f6rung der W\u00e4lder und die Aneignung indigener Gebiete weiter verst\u00e4rken.<\/p>\n\n<p>Letzten September empfing Greenpeace Luxemburg Vertreter:innen der indigenen Gemeinschaften Brasiliens, damit sie von den Auswirkungen, zu denen das EU-Mercosur-Abkommen jetzt schon f\u00fchrt, und den erlebten Gewalttaten berichten konnten. F\u00fcr Dinaman Tux\u00e1, ihrem Anf\u00fchrer, steht eindeutig fest: \u201e<em>Abkommen wie dieses f\u00fchren nur zu noch mehr Gewalt gegen unsere V\u00f6lker. Wenn die EU dieses Abkommen unterschreibt, wird Blut vergossen werden<\/em>.\u201c<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2025\/12\/36b9b276-gp0su6p1z_medium-res-with-credit-line-1200px-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26701\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2025\/12\/36b9b276-gp0su6p1z_medium-res-with-credit-line-1200px-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2025\/12\/36b9b276-gp0su6p1z_medium-res-with-credit-line-1200px-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2025\/12\/36b9b276-gp0su6p1z_medium-res-with-credit-line-1200px-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2025\/12\/36b9b276-gp0su6p1z_medium-res-with-credit-line-1200px-510x340.jpg 510w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2025\/12\/36b9b276-gp0su6p1z_medium-res-with-credit-line-1200px.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Rahmen einer Europatournee nahmen vier Vertreter:innen der Vereinigung der indigenen V\u00f6lker Brasiliens (APIB) an einer symbolischen Aktion vor der luxemburgischen Abgeordnetenkammer teil, um ein Ende der Abholzung des Amazonasgebiets zu fordern und die Rechte der indigenen V\u00f6lker zu verteidigen, die in diesem Wald leben und auf ihn angewiesen sind.<div class=\"credit icon-left\"> \u00a9 Simon Hoffmann \/ Greenpeace<\/div><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Lage der indigenen V\u00f6lker riskiert, sich in einem dramatischen Ausma\u00df zu versch\u00e4rfen. Anfang Januar k\u00fcndigte der brasilianische Verband der Pflanzen\u00f6lindustrie ABIOVE seinen R\u00fcckzug vom Soja-Moratorium in der Amazonas-Region an. Diese freiwillige Verpflichtung, kein Soja auf nach 2008 entwaldeten Fl\u00e4chen zu produzieren, wurde dank des nicht nachlassenden Drucks von Greenpeace eingef\u00fchrt und gilt bislang als eines der wirksamsten Instrumente gegen Waldzerst\u00f6rung. Sein Ende k\u00f6nnte bis 2045 zu einer Zunahme der Abholzung um 30\u202f% f\u00fchren. Zeitgleich wurde Ende 2025 die Anwendung der europ\u00e4ischen Entwaldungsverordnung (EUDR) um ein weiteres Jahr verschoben. Die Umsetzung des EU-Mercosur-Abkommens w\u00fcrde somit \u00d6l ins Feuer gie\u00dfen, das im Amazonasgebiet bereits lichterloh brennt.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Ausgleichsmechanismus, eine Bedrohung f\u00fcr unsere Souver\u00e4nit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n\n<p>Die heimt\u00fcckischste Bedrohung wird von vielen Regierungen und anderen politischen Entscheidungstr\u00e4gern jedoch weitgehend ignoriert. Ganz am Ende der Verhandlungen eingef\u00fcgt, stellt der Ausgleichsmechanismus (\u201cRebalancing Mechanism\u201d) eine beispiellose Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesetzgebungssouver\u00e4nit\u00e4t dar. Dieser Mechanismus, der in den Freihandelsabkommen der EU v\u00f6llig beispiellos ist, erm\u00f6glicht es den Mercosur-L\u00e4ndern, Entsch\u00e4digungen zu fordern oder Vergeltungsma\u00dfnahmen zu ergreifen, wenn eine neue europ\u00e4ische Norm (die an und f\u00fcr sich vollkommen legitim ist) den Handel der Mercosur-Staaten nachteilig beeinflusst.<\/p>\n\n<p>Konkret k\u00f6nnte jede neue Umweltvorschrift, jede Verbesserung der Tierschutzstandards und jedes Verbot toxischer Pestizide angefochten werden und zu Forderungen nach Anpassungen oder zu Kompensationsma\u00dfnahmen f\u00fchren. Der Mechanismus gilt sogar r\u00fcckwirkend f\u00fcr bereits verabschiedete Gesetze, die noch nicht vollst\u00e4ndig umgesetzt sind.<\/p>\n\n<p>Damit w\u00fcrde Europa seine eigene Handlungsf\u00e4higkeit zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten aufs Spiel setzen. Das ist der Inbegriff einer toxischen Beziehung: eine Verbindung, bei der man grundlegende Werte aufgibt, nur um der anderen Seite zu gefallen.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Panik f\u00fchrt selten zu guten Entscheidungen<\/strong><\/h3>\n\n<p>Manche berufen sich auf die Unberechenbarkeit von Donald Trump, um die angebliche Dringlichkeit, das Abkommen schnellstm\u00f6glich zu ratifizieren, zu rechtfertigen \u2013 ein tr\u00fcgerisches Argument. Der Handel zwischen der EU und den USA macht kaum 3\u202f% des europ\u00e4ischen BIP aus. Wie zahlreiche \u00d6konom:innen hervorheben, l\u00e4sst sich Europa am effektivsten st\u00e4rken, indem der Binnenmarkt gefestigt wird, statt problematische Abkommen unter Druck zu beschlie\u00dfen. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit muss Europa seine F\u00e4higkeit bewahren, eigene Standards zu sch\u00fctzen, statt sie leichtfertig aufzugeben.<\/p>\n\n<p>Am 22. Januar stellte der Abgeordnete David Wagner eine parlamentarische Anfrage, um die Haltung der Regierung zur vorl\u00e4ufigen Inkraftsetzung des Abkommens zu erfahren. Wir erwarten nun von Au\u00dfenminister Xavier Bettel, dass er sich \u00f6ffentlich gegen das vorzeitige Inkrafttreten des Abkommens ausspricht und sich in diesem Sinne bei seinen europ\u00e4ischen Amtskollegen einsetzt. Frankreich hat bereits den Weg gewiesen. Luxemburg muss diesem Beispiel folgen.<\/p>\n\n<p>Manche Beziehungen, selbst langj\u00e4hrige, m\u00fcssen enden, wenn sie toxisch werden. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen ist es an der Zeit, anzuerkennen, dass dieses Abkommen nicht mehr den Herausforderungen unserer Zeit entspricht. Ein fairer internationaler Handel, der Umwelt und Menschenrechte respektiert, ist nicht nur m\u00f6glich, sondern notwendig. Das EU-Mercosur-Abkommen geh\u00f6rt nicht dazu.<\/p>\n\n<p>Am heutigen Valentinstag steht die luxemburgische Regierung vor einer Entscheidung: eine zerst\u00f6rerische Beziehung fortsetzen oder den Mut aufbringen, sie zu beenden, um das zu bewahren, was wirklich z\u00e4hlt. F\u00fcr den Amazonas, das Klima, die indigenen V\u00f6lker, unsere b\u00e4uerliche Landwirtschaft und unsere demokratische Souver\u00e4nit\u00e4t ist es an der Zeit, dem EU-Mercosur-Abkommen eine Absage zu erteilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 14. Februar gilt traditionell als Tag der Liebe. Doch manche Beziehungen richten mehr Schaden als Nutzen an. 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