{"id":5150,"date":"2019-07-03T21:39:11","date_gmt":"2019-07-03T19:39:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.org\/luxembourg\/?p=5150"},"modified":"2026-03-04T17:12:04","modified_gmt":"2026-03-04T15:12:04","slug":"schatzkammer-tiefsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.org\/luxembourg\/de\/aktualitaet\/5150\/schatzkammer-tiefsee\/","title":{"rendered":"Tiefseebergbau: Rohstoffgier bedroht die Meere"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Hunger der Hightech-Industrie treibt den Wettlauf um die Rohstoffe auf dem Meeresboden voran. So wird der Tiefseebergbau zu einer massiven Bedrohung f\u00fcr unsere Ozeane.<\/em><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2019\/06\/90b93a79-gp0stpmcd_medium_res-1-1024x683.jpg\" title=\"Wunder unter Wasser: Eine Schirmqualle, wie man ihr in arktischen Gew\u00e4ssern begegnet.\" alt=\"Wunder unter Wasser: Eine Schirmqualle, wie man ihr in arktischen Gew\u00e4ssern begegnet.\" class=\"wp-image-5057\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2019\/06\/90b93a79-gp0stpmcd_medium_res-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2019\/06\/90b93a79-gp0stpmcd_medium_res-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2019\/06\/90b93a79-gp0stpmcd_medium_res-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2019\/06\/90b93a79-gp0stpmcd_medium_res-1-510x340.jpg 510w, https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2019\/06\/90b93a79-gp0stpmcd_medium_res-1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><div class=\"credit icon-left\"> \u00a9 Alexander Semenov \/ Greenpeace<\/div><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Wissenschaftler nehmen an, dass das Leben auf der Erde gerade hier in der schw\u00e4rzesten Dunkelheit der Tiefsee entstanden sein k\u00f6nnte und vermuten dort eine Vielzahl bislang unentdeckter Lebewesen. Die einzigartige Unterwasserwelt in der Tiefsee ist \u00fcber Jahrmillionen entstanden und hat bis heute \u00fcberdauert. Obwohl wir dieses \u00d6kosystem und seine Artenvielfalt noch kaum verstanden haben, hat der Wettlauf um die Ressourcen der tiefsten Meeresregionen l\u00e4ngst begonnen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schlacht um Ressourcen<\/h2>\n\n<p>Denn auf dem Meeresboden liegen wahre Sch\u00e4tze: kartoffel\u00e4hnliche Manganknollen in 4000 bis 5000 Meter Tiefe enthalten Mangan, Eisen, aber auch andere&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.organische-chemie.ch\/chemie\/2009mai\/manganknollen.shtm\">wertvolle Metalle wie Kupfer, Nickel und Kobalt<\/a>. Rohstoffe, die eine zentrale Rolle f\u00fcr die Hightech-Industrie spielen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/static\/planet4-luxembourg-stateless\/2019\/07\/da071c98-gp0stpm9t-1024x576.jpg\" title=\"Tiefsee-Qualle in Alaska<div class=\"credit icon-left\"> \u00a9 Kevin Raskoff \/ NOAA<\/div>&#8221; alt=&#8221;Tiefsee-Qualle in Alaska<div class=\"credit icon-left\"> \u00a9 Kevin Raskoff \/ NOAA<\/div>&#8221; class=&#8221;wp-image-5152&#8243;\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tiefsee-Qualle in Alaska<div class=\"credit icon-left\"> \u00a9 Kevin Raskoff \/ NOAA<\/div><\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nachfrage nach Kobalt steigt<\/h2>\n\n<p>Das Freiburger \u00d6ko-Institut warnt, dass\u00a0<a href=\"https:\/\/www.oeko.de\/fileadmin\/oekodoc\/Fab4Lib-Rohstoffe-Elektromobilitaet.pdf\">Kobalt vor\u00fcbergehend knapp<\/a> werden k\u00f6nnte. Das Metall steckt zum Beispiel in Smartphones und Batterien: derzeit wird die <a href=\"https:\/\/www.elektroniknet.de\/markt-technik\/power\/kobalt-wird-knapp-162330.html\">H\u00e4lfte des gehandelten Kobalts\u00a0in Batterien<\/a>\u00a0verbaut \u2013 um die Energiedichte kleiner Akkus zu erh\u00f6hen.\u00a0Die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.elektroniknet.de\/markt-technik\/power\/recyceln-um-kobalt-knappheit-zu-entgehen-149706.html\">Kobalt-Nachfrage stieg von 2010 bis 2015 von 65.000 auf \u00fcber 90.000 Tonnen<\/a>\u00a0pro Jahr. Bis 2025 soll sich die Nachfrage laut Prognosen der deutschen Rohstoffagentur auf 155.000 Tonnen erh\u00f6hen.\u00a0Ein Grund daf\u00fcr ist der Trend zur Elektromobilit\u00e4t. Die Autokonzerne fragen derzeit mehr Kobalt nach, als Minenbetreiber abbauen k\u00f6nnen. Weltweit wichtigster\u00a0Kobalt-Lieferant ist die Demokratische Republik Kongo\u00a0mit \u00fcber 50 Prozent der Kobaltvorkommen an der Erdoberfl\u00e4che. Weiteres\u00a0Problem des wertvollen Metalls:\u00a0der Abbau geht oft mit\u00a0<a href=\"https:\/\/www.fr.de\/wirtschaft\/schmutziges-kobalt-kongo-10972972.html\">Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen<\/a>\u00a0einher.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tiefseebergbau: Lizenz zum zerst\u00f6ren<\/h2>\n\n<p>Gro\u00dfe Kobaltvorkommen liegen bislang ungehoben auf dem Meeresgrund: In \u00fcber 10 Millionen Jahren haben sich hier rund 300 Milliarden Tonnen Mangan in Knollen angesammelt. Was vor diesem Hintergrund\u00a0auf die \u00f6kologisch sensiblen Tiefseegebiete zukommt, zeigt ein neuer\u00a0Greenpeace-Report \u00fcber den Tiefseebergbau. Einige Regierungen haben bereits Lizenzen zur Erschlie\u00dfung (Explorationslizenzen) f\u00fcr den Tiefseebergbau erhalten. Tiefseebergbaulizenzen werden derzeit von der <a href=\"https:\/\/www.isa.org.jm\/\">Internationalen Meeresbodenbeh\u00f6rde (ISA, ein UN-Gremium)\u00a0<\/a>reguliert. Das Vorgehen der ISA, Lizenzen zu verteilen, bevor ein umfassender Schutzrahmen und ein Netzwerk von Schutzgebieten in internationalen Gew\u00e4ssern eingerichtet wurden, ist h\u00f6chst bedenklich. Zwar findet noch kein Abbau statt, doch Industrie und Staaten stecken bereits riesige Claims ab und sichern sich Tiefseeregionen mit hohen Rohstoffvorkommen.<\/p>\n\n<p>Wer zuerst kommt, mahlt zuerst \u2013 gro\u00dfe Maschinen sollen zuk\u00fcnftig Manganknollen auf dem Meeresgrund abbauen. Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der Meeresboden in eine gigantische \u00d6dnis verwandelt? Wir riskieren eine gro\u00dffl\u00e4chige Zerst\u00f6rung in einem Lebensraum, \u00fcber den wir weniger wissen als \u00fcber die Oberfl\u00e4che des Mondes.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Jahrmillionen alte Tiefseewelt \u2013 Bald platt?<\/h2>\n\n<p>Die Artenvielfalt und das \u00d6kosystem Tiefsee sind bisher kaum erforscht. Lebewesen verschwinden, bevor sie der Mensch entdeckt und wissenschaftlich beschrieben hat. Sobald die Tiefseebagger in der Gr\u00f6\u00dfe eines Panzers den schlammig-sandigen Boden umpfl\u00fcgen und bei der Knollenernte Gestein zerschmettern, bilden sich lange Zeit gewaltige Wolken aus Bodenpartikeln, in denen Kleinstlebewesen ersticken k\u00f6nnten. Tiefseebewohner wie Muscheln oder&nbsp;Anemonen brauchen aber festen Untergrund wie Manganknollen als Lebensraum. An Manganknollen finden wiederum Schw\u00e4mme Halt, an deren St\u00e4ngel z.B. der kleine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.awi.de\/ueber-uns\/service\/presse-detailansicht\/presse\/manganknollen-als-brutstaette-fuer-tiefseekraken.html\">\u201eCasper\u201c seine Eier h\u00e4ngt \u2013 ein knopf\u00e4ugiger, milchig-wei\u00dfer Tiefsee-Oktopus<\/a>, der in extremen Tiefen von mehr als 4000 Metern lebt. Erst 2016 von Forschern des Alfred-Wegener-Instituts entdeckt, w\u00e4re die nur rund zehn Zentimeter gro\u00dfe Krake durch den Tiefseebergbau t\u00f6dlich bedroht, weil sie ihr Gelege an die wertvollen Mineralienknollen heftet.<\/p>\n\n<p>Zus\u00e4tzlich w\u00fcrden L\u00e4rm, Vibrationen, Licht und Schiffe andere Tiefseearten verscheuchen. Giftige Stoffe wie \u00d6le k\u00f6nnten aus den Ger\u00e4ten oder bei Unf\u00e4llen in die Umwelt gelangen und sie verpesten.<\/p>\n\n<p>Auch wissen wir noch nicht genau, wie Manganknollen entstehen. Es dauert Millionen von Jahren, bis sich um einen kleinen Kern Metalle Schicht f\u00fcr Schicht ablagern. Bakterien und Algen dienen als Ausl\u00f6ser f\u00fcr die sogenannte \u201eBiomineralisation\u201c. Ungekl\u00e4rt ist bisher die Tatsache, dass die meisten Manganknollen an der Meeresbodenoberfl\u00e4che liegen und nur wenige im Sediment verborgen sind, obwohl ihre Wachstumsrate (1-16 mm pro 1 Million Jahre) wesentlich unterhalb der Sedimentationsrate von 1-3 mm pro Jahrtausend liegt.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Katastrophale Folgen<\/h2>\n\n<p>Das \u00d6kosystem Tiefsee erholt sich von solchen Eingriffen kaum oder sehr langsam. Dies zeigen auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/tiefseebergbau-kahlschlag-im-ozean-1.4057242\">Tests im Pazifik<\/a>: Deutsche Forscher waren 2015 mit einem Forschungsschiff an eine Stelle zur\u00fcckgekehrt, wo 1989 testweise der Meeresboden aufgerissen wurde. 26 Jahre sp\u00e4ter waren die Pflugspuren der Aktion noch immer zu sehen, etliche Arten waren nicht zur\u00fcckgekehrt. Beobachtungen an anderen Testfl\u00e4chen geben noch weniger Hoffnung \u2013 hier sieht der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2019\/23\/kobalt-manganknollen-rohstoff-smartphones-elektroautos\">Meeresgrund selbst nach 40 Jahren<\/a>&nbsp;noch wie frisch umgegraben aus. Als Langzeitfolge w\u00fcrde der Meeresboden f\u00fcr viele Arten unbewohnbar werden.<\/p>\n\n<p>Wollen wir wirklich diese kostbare, Jahrmillionen alte Unterwasserwelt \u2013 vielleicht der Schl\u00fcssel f\u00fcr innovative Wissenschaft \u2013 f\u00fcr Akkubatterien in unseren Autos und Smartphones opfern? Statt endlos die Erde f\u00fcr seltene Metalle aufzureissen, sollten wir die bereits vorhandenen Rohstoffe zur\u00fcckgewinnen und recyceln.<\/p>\n\n<p>Tiefsee-Unterwassergr\u00e4ben bieten Lebensraum f\u00fcr erstaunliche Lebewesen und Mikroorganismen. Angesichts des dramatischen Artensterbens und der Klimakrise setzt sich Greenpeace daher f\u00fcr die Ausweisung eines&nbsp;weltweiten Netzes an Meeresschutzgebieten&nbsp;ein, die vollst\u00e4ndig vor direkten menschlichen Eingriffen gesch\u00fctzt sind. Wir brauchen dringend einen starken globalen Ozeanvertrag, der die Tiefsee vor der Rohstoffgier der Unternehmen sch\u00fctzt.<\/p>\n\n<p>Article Source : Greenpeace Deutschland<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tiefseebergbau: Rohstoffgier bedroht die Meere Der Hunger der Hightech-Industrie treibt den Wettlauf um die Rohstoffe auf dem Meeresboden voran. 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