Luxemburg, 13. Februar 2026 – Einen Tag vor Valentinstag überreichen Aktivist:innen von Greenpeace Luxemburg der Regierung eine überdimensionale Karikatur sowie eine herzförmige Pralinenschachtel, um symbolisch auf deren toxische Beziehung zum EU-Mercosur-Abkommen aufmerksam zu machen. Mit einem Banner mit der Aufschrift „EU-Mercosur: Not even for one night“ spricht sich die Organisation gegen die vorläufige Anwendung des Abkommens aus, die die Europäische Kommission trotz der Vorbehalte des Europäischen Parlaments durchsetzen will.

Am 21. Januar stellen die Europaabgeordneten in einer äußerst knappen Abstimmung die Vereinbarkeit des EU-Mercosur-Abkommen mit den Gründungsverträgen und den Klimaverpflichtungen der Europäischen Union in Frage, indem sie beschlossen hatten, das Abkommen durch den Europäischen Gerichtshof prüfen zu lassen. Dennoch erwägen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und einige Staats- und Regierungschefs, insbesondere der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, das Abkommen vorläufig in Kraft zu setzen, ohne das Urteil des Gerichtshofs abzuwarten.
„Eine solche Verweigerung der Demokratie wäre inakzeptabel. Zumal der aktuelle Kontext dieses Abkommen noch schädlicher macht“, erklärt Gauthier Hansel, Kampaigner bei Greenpeace Luxemburg. „Anfang Januar kündigte der brasilianische Verband der Pflanzenölindustrie ABIOVE seinen Rückzug vom Soja-Moratorium in der Amazonas-Region an – eines der wirksamsten Instrumente gegen Waldzerstörung. Sein Ende könnte bis 2045 zu einer Zunahme der Abholzung um 30 % führen. Zeitgleich wurde Ende 2025 die Anwendung der europäischen Entwaldungsverordnung (EUDR) um ein weiteres Jahr verschoben. Die Umsetzung des EU-Mercosur-Abkommens würde somit Öl ins Feuer gießen, das im Amazonasgebiet bereits lichterloh brennt.“
Die geschätzten wirtschaftlichen Vorteile rechtfertigen jedoch keine derartig schwerwiegenden Konsequenzen. Ein Blick auf die eigenen Prognosen der Europäischen Kommission offenbart: Bis 2040 würde das Abkommen das europäische Bruttoinlandsprodukt (BIP) lediglich um 0,05 % erhöhen, und das nur zugunsten einiger weniger Großindustrien. Für diesen verschwindend geringen Vorteil müssten wir zusätzliche Importe an billigeren landwirtschaftlichen Produkten in Kauf nehmen, die eine bäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft in Europa gefährden, die der südamerikanischen Konkurrenz mit deutlich niedrigeren Standards nicht gewachsen ist.
„Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen ist es an der Zeit, anzuerkennen, dass dieses Abkommen nicht mehr den Herausforderungen unserer Zeit entspricht. Ein fairer internationaler Handel, der Umwelt und Menschenrechte respektiert, ist nicht nur möglich, sondern notwendig. Das EU-Mercosur-Abkommen gehört nicht dazu“, fährt Gauthier Hansel fort. „Am 22. Januar wurde eine parlamentarische Anfragegestellt, um die Haltung der Regierung zur vorläufigen Inkraftsetzung des Abkommens zu erfahren. Wir erwarten nun von Außenminister Xavier Bettel, dass er sich öffentlich gegen das vorzeitige Inkrafttreten des Abkommens ausspricht und sich in diesem Sinne bei seinen europäischen Amtskollegen einsetzt. Frankreich hat bereits den Weg gewiesen. Luxemburg muss diesem Beispiel folgen.“


