Luxemburg, 20. Oktober 2026 – Eine neue Studie [1] von Greenpeace Luxemburg zeigt, dass der alternde Reaktor 1 des Atomkraftwerks (AKW) Cattenom erhebliche Sicherheitsdefizite aufweist. Die Analyse untersucht unter anderem die Umsetzung der nach Fukushima vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen sowie dokumentierte Zwischenfälle und stellt die Sicherheit einer Laufzeitverlängerung über die ursprünglich geplanten 40 Jahre hinaus infrage.

Im Oktober 2026 erreicht der Reaktor 1 des AKW Cattenom die ursprünglich geplante Betriebsdauer von 40 Jahren. Anfang 2027 soll der Reaktor voraussichtlich für rund sechs Monate abgeschaltet werden, um seine vierte Zehnjahresinspektion durchzuführen. In dieser Zeit sind umfangreiche Prüfungen, Instandhaltungsarbeiten und Nachrüstungen vorgesehen. Im Zusammenhang mit einer möglichen Laufzeitverlängerung ist zudem eine öffentliche Konsultation zu den künftigen Betriebsbedingungen geplant.

Die Studie zeigt jedoch, dass Cattenom 1 die heutigen Sicherheitsanforderungen an neu gebaute Atomkraftwerke nicht erfüllt und auch durch nachträgliche Nachrüstungen nicht vollständig auf dieses Niveau gebracht werden kann. Bei älteren Anlagen wie Cattenom bestehen grundlegende Unterschiede zwischen der ursprünglichen technischen Auslegung und heutigen Standards. Zu den grundlegenden Schwachstellen zählen laut Bericht Defizite bei der Redundanz und räumlichen Trennung von Sicherheitssystemen sowie bei deren Erdbebensicherheit. Hinzu kommen ein unzureichender Schutz vor bestimmten Naturgefahren, Flugzeugabstürzen und Drohnenangriffen, Probleme im Zusammenhang mit der Alterung der Anlage, der Verlust von technischem Fachwissen sowie Hinweise auf Mängel in der Sicherheitskultur.

Angesichts dieser Befunde stellt sich die Frage, ob eine Laufzeitverlängerung über die ursprünglich vorgesehenen 40 Jahre hinaus verantwortbar ist. Ein schwerer Unfall in Cattenom könnte nicht nur Frankreich, sondern auch Luxemburg und Deutschland treffen und langfristige Folgen für die Bevölkerung und die Umwelt haben. Die räumliche Nähe des Kraftwerks zu Luxemburg und Deutschland macht die Sicherheit der Anlage zu einer grenzüberschreitenden Herausforderung.

Offen ist zudem, wann eine Umweltverträglichkeitsprüfung samt Impaktstudie veröffentlicht und eine grenzüberschreitende Konsultation durchgeführt werden soll, wie es die Espoo-Konvention vorsieht. Bei früheren Konsultationen zur Laufzeitverlängerung französischer Atomreaktoren wiesen die Umweltverträglichkeitsprüfungen erhebliche Mängel auf.

Greenpeace Luxemburg fordert daher die Nachbarländer auf, die rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, um gegen eine Laufzeitverlängerung von Cattenom 1 vorzugehen. Die potenziellen grenzüberschreitenden Folgen eines schweren Unfalls machen eine transparente Bewertung der Umweltauswirkungen und eine angemessene Beteiligung der betroffenen Bevölkerung unerlässlich.

„Cattenom 1 darf nicht über die ursprünglich geplanten 40 Jahre hinaus betrieben werden, solange grundlegende Sicherheitsdefizite bestehen und notwendige Nachrüstungen nicht abgeschlossen sind. Greenpeace Luxembourg fordert deshalb die französischen Behörden und den Betreiber EDF auf, auf eine Laufzeitverlängerung zu verzichten und den Reaktor nach Erreichen seiner geplanten Lebensdauer abzuschalten. Nachrüstungen können zwar die Sicherheit verbessern, aber nicht alle Schwächen einer Anlage ausgleichen, die vor Jahrzehnten nach anderen Standards gebaut wurde. Die Sicherheit der Bevölkerung muss Vorrang vor dem Weiterbetrieb eines alternden Atomkraftwerks haben“, erklärt Roger Spautz von Greenpeace Luxemburg.


Notizen:
[1] Die Studie “Probleme und Risiken von Reaktor 1 des AKW Cattenom – Bilanz nach 40 Jahren Betrieb” wurde im Auftrag von Greenpeace Luxemburg von der deutschen Physikerin und Atomexpertin Oda Becker durchgeführt. Die gesamte Studie ist hier verfügbar.