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Raymond Triebel hat uns am 22. Juni für immer verlassen.

Ich traf Raymond das erste Mal 1984 bei einem Treffen mit Freunden im Jugendzentrum in Esch/Alzette, das wir organisiert hatten, um Greenpeace Luxemburg zu gründen. Raymond wurde ganz schnell zu Reem, Mitglied des ersten Verwaltungsrates und engagierte sich von Anfang an leidenschaftlich für Umweltbelange in und außerhalb von Luxemburg. Dank ihm konnten wir Kontakte zu anderen Büros in Europa knüpfen und außergewöhliche internationale Kampagnen entwickeln. Ich erinnere mich, dass wir in seinem Auto, unter ständiger Begleitung von lautstarker Musik, nach Hamburg, Paris und London reisten, um vor Ort lokale Ansprechpartner zu treffen. Ebenso reisten wir nach Lewes in England, wo sich der Hauptsitz von Greenpeace International befand, um David McTaggart, den damaligen Präsidenten von Greenpeace International, zu treffen und unsere Präsenz in Luxemburg offiziell zu machen.

Die Anfänge von Greenpeace Luxemburg: (von links nach rechts) Luc Stoffel, Roger Spautz, Cary Greisch, Martina Holbach, Martine Kass, Raymond Triebel, Danielle Petesch © Greenpeace

Da wir zu dieser Zeit alle freiwillig und unentgeldlich bei Greenpeace arbeiteten, teilten wir verschiedene Aufgaben wie zum Beispiel die Verwaltung der Kampagnenstrategie, Pressearbeit, die Organisation von Aktionen usw. Raymond lag vor allem das Fundraising und die Beziehungen zu unseren Mitgliedern und Mitgliederinnen. Er kontaktierte Greenpeace Österreich, um die ersten Mailings in Luxemburg zu organisieren. Mit den ersten Einnahmen, konnten wir auch die ersten Aktionen organisieren. Ein einmaliges Erlebnis mit Reem, das ich nie in meinem Leben vergessen werde, fand einige Tage vor Weihnachten 1986 in Cattenom statt. Während einer ganzen Nacht hatten wir etwa 3.000 Luftballons mit Helium aufgeblasen, um sie am nächsten Tag vor dem Atomkraftwerk steigen zu lassen und so das Bewusstsein für die Reichweite radioaktiver Wolken zu schärfen. Als wir früh morgens Cattenom erreichten, wurde alles von der Polizei abgeriegelt. Reem schlich sich dann heimlich auf eine unbefestigte Straße, um die Ballons in umittelbarer Nähe zum Kraftwerk steigen zu lassen, während die Polizei die im Van zurück gebliebenen Aktivist*Innen mit Fragen löcherte. Die Aktion war dank Reem und seiner Entschlossenheit unseren Forderungen Gehör zu verschaffen ein voller Erfolg. Einziges Problem: Reems Van blieb im Schlamm eines Feldes stecken und wir mussten von einem Bauern und seinem Traktor befreit werden. Anschließend mussten wir natürlich eine Geldstrafe zahlen.

Ab 1987 konnten wir dank der Spendenbeiträge unserer Mitglieder*Innen die ersten Mitarbeiter*Innen einstellen. Raymond engagierte sich weiterhin freiwillig als Verantwortlicher des Fundraisings und Mitglied des Vorstands. Wir führten oft sehr intensive Gespräche mit Reem über unser Programm und die Sitzungen des Vorstands endeten regelmäßig um 3:00 Uhr morgens in einer Bar unweit des Büros in Esch/Alzette… Dank Spendengeldern wurde die Organisation in den 90er Jahren immer professioneller und wir konnten Expert*Innen für Berufe einstellen, die wir bis dahin auf freiwilliger Basis ausgeübt hatten. Raymond engagierte sich weiterhin als Mitglied des Verwaltungsrates. Selbst wenn er etwas weniger aktiv wurde, konnte man sich Tag und Nacht auf ihn verlassen, ob es sich dabei um eine Aktion, Informationsveranstaltungen oder andere Aktivitäten handelte.

Nach seiner Pensionierung zog sich Raymond nach La Gomera zurück, blieb aber stets mit großer Einsatzbereitschaft in Kontakt mit Greenpeace. Bei jedem Besuch in Luxemburg, schaute er im Büro vorbei, um Neuigkeiten zu erfahren und wertvolle Ratschläge zu geben.

Mit Raymond Triebel hat Greenpeace Luxemburg nicht nur einen seiner Gründer sowie ein sehr engagiertes Mitglied verloren – vor allem aber auch, für einige unter uns, einen sehr guten Freund.“

Roger Spautz

© Phil Thill