Der Name JBS sagt Ihnen vielleicht nichts, die Chancen stehen aber gut, dass Sie schon einmal eines der Produkte des Unternehmens konsumiert haben.

Mit Sitz in den Niederlanden und Holdinggesellschaften in Luxemburg ist JBS der größte Fleischkonzern der Welt. Das Unternehmen wird von zwei milliardenschweren Brüdern kontrolliert. Firmen der Eigentümer bekannten sich bereits in Korruptionsverfahren schuldig und mussten Millionenstrafen wegen Verstößen gegen Arbeitsrechte zahlen. Auch die Lieferkette von JBS steht seit Jahren in der Kritik: Sie wird mit der großflächigen Abholzung des Amazonas-Regenwaldes in Verbindung gebracht. Gleichzeitig gehört JBS zu den größten Klimaverschmutzern weltweit. Schätzungen zufolge verursacht der Konzern mehr Methanemissionen als Shell und ExxonMobil zusammen.

© Julia Åhall / Greenpeace

Die Expansion von JBS in Nigeria bedroht Klima und Menschenrechte

Derzeit treibt JBS ein Expansionsprojekt im Wert von rund 6 Milliarden US-Dollar voran. Fast die Hälfte dieser Investitionen soll nach Nigeria fließen. Zum ersten Mal will der Konzern sein Modell der industriellen Tierhaltung auf Afrika südlich der Sahara ausweiten. Lokale Organisationen schlagen jedoch Alarm: Sie befürchten irreversible Umweltschäden sowie eine Gefährdung des Zugangs zu Land und Wasser,  Ressourcen, von denen viele Menschen vor Ort unmittelbar abhängig sind. Profitieren würden vor allem die Eigentümer des multinationalen Konzerns, während die lokale Bevölkerung die Folgen tragen müsste.

Dass JBS über seine Pläne in Nigeria kaum spricht, überrascht daher kaum. Der Konzern ist dafür bekannt, Transparenz zu vermeiden und stattdessen immer wieder vage Versprechen zu machen. Auch in Afrika hält JBS wichtige Informationen unter Verschluss. Trotz wiederholter Forderungen der Zivilgesellschaft hat das Unternehmen bis heute keine Umwelt- oder Sozialverträglichkeitsstudie veröffentlicht.

Genau deshalb ziehen wir vor Gericht: Wir wollen JBS dazu verpflichten, endlich offenzulegen, welche Auswirkungen seine Expansionspläne auf Mensch und Umwelt haben könnten.

Licht ins Dunkel bringen: JBS’ Expansionspläne in Nigeria

Anfang des Jahres unterbrachen Aktivist:innen von Greenpeace Niederlande die erste Hauptversammlung von JBS auf niederländischem Boden. Dabei übergaben sie einen offenen Brief, in dem sie Transparenz über die Expansionspläne des Unternehmens forderten. Auf Grundlage eines niederländischen Gesetzes, das den Zugang zu bestimmten Unternehmensinformationen zur Vorbereitung einer Klage ermöglicht, erhielt JBS eine Frist von 21 Tagen, um Unterlagen zu den Klima-, Umwelt- und Sozialauswirkungen seines Expansionsprojekts sowie zu den Folgen seiner bisherigen Geschäftstätigkeit vorzulegen.

© Tengbeh Kamara / Greenpeace

Nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist reagierte JBS wie erwartet: Der Konzern wies jede Verantwortung von sich, verweigerte die Herausgabe der geforderten Informationen und versuchte, die Kritik an seinem Vorgehen zu diskreditieren. Damit ignorierte JBS nicht nur die Tausenden Greenpeace-Unterstützer:innen, die unsere Forderung nach Transparenz unterstützt haben, sondern auch die Sorgen vieler Menschen in Nigeria, deren Lebensgrundlagen durch das Projekt bedroht sind.

Wir hätten diesen Schritt lieber vermieden. Unser Ziel war nie, vor Gericht zu ziehen. Doch die kompromisslose Haltung von JBS ließ uns keine andere Wahl. Deshalb hat Greenpeace Niederlande heute bei einem niederländischen Gericht einen Antrag eingereicht, um JBS gesetzlich zur Offenlegung der geforderten Unterlagen zu verpflichten. Das ist erst der erste Schritt eines längeren juristischen Verfahrens. Unser Ziel ist es, die Expansion von JBS nach Afrika zu stoppen und den Konzern für die Folgen seines Geschäftsmodells zur Verantwortung zu ziehen.

Wir sehen uns vor Gericht!

JBS scheint zu glauben, dass der Umzug des Unternehmens in die Niederlande nicht bedeutet, sich auch an niederländisches Recht halten zu müssen. Mit unserer Klage wollen wir das Gegenteil beweisen. Gleichzeitig könnte dieses Verfahren wegweisend sein: Es hat das Potenzial, zu den ersten Gerichtsverfahren zu gehören, die einen Fleischkonzern für seine Auswirkungen auf Klima und Umwelt zur Rechenschaft ziehen. Ein wichtiges Signal, weit über den Fall JBS hinaus.

Nach Auffassung von Greenpeace Niederlande stehen sowohl die geplante Expansion von JBS als auch die bisherigen Geschäftspraktiken des Konzerns im Widerspruch zu den niederländischen Klima- und Biodiversitätsverpflichtungen. Damit könnten sie gegen die niederländische Sorgfaltspflicht verstoßen, die rechtliche Grundlage für dieses beispiellose Verfahren gegen den Fleischkonzern. Der heute eingereichte Antrag ist ein wichtiger erster Schritt. Sollte das Gericht Greenpeace Recht geben, wäre das ein bedeutender Erfolg für Transparenz und öffentliche Rechenschaftspflicht gegenüber den Interessen großer Unternehmen. Gleichzeitig würde Greenpeace Niederlande Zugang zu entscheidenden Informationen erhalten, um das Geschäftsmodell von JBS vor Gericht anzufechten und den Konzern für die Folgen seines Handelns zur Verantwortung zu ziehen,  bevor noch größerer Schaden entsteht.

JBS nimmt Abstand von seinen Klima- und Naturschutzversprechen

Der Zeitpunkt könnte kaum wichtiger sein: Erst vor wenigen Wochen hat JBS zentrale Zusagen zurückgenommen. Der Konzern will weder die Entwaldung in seinen Lieferketten beenden noch bis 2040 klimaneutral werden. Damit stehen nicht nur Klima und Natur auf dem Spiel. Auch die Rechte lokaler Gemeinschaften und indigener Völker geraten zunehmend unter Druck.

© Marten van Dijl / Greenpeace

Machen wir uns nichts vor: JBS hatte offenbar nie die Absicht, diese Versprechen einzuhalten. Der Unterschied ist nur, dass der Fleischkonzern inzwischen ganz offen auf Expansion setzt,  selbst wenn dafür wertvolle Ökosysteme geopfert werden. Vom Amazonas bis nach Afrika südlich der Sahara drohen Wälder, Artenvielfalt und Lebensgrundlagen weiter unter Druck zu geraten. Gleichzeitig weist JBS jede Verantwortung für seine Treibhausgasemissionen von sich, obwohl diese höher sein sollen als die eines Landes wie Spanien mit fast 50 Millionen Einwohner:innen. Mit seinen Expansionsplänen würde der Konzern die Auswirkungen seines Geschäftsmodells auf Klima, Natur und Menschen weiter verschärfen.

Wir dürfen JBS damit nicht durchkommen lassen. Und genau hier können Sie uns unterstützen.

Wir sind überzeugt, dass das öffentliche Interesse wichtiger ist als Geschäftsgeheimnisse. Dass Unternehmen nicht ungestraft handeln dürfen. Und dass der Profit einiger weniger niemals über dem Schutz von Klima, Natur und Menschen stehen darf. Deshalb müssen Staaten, in denen multinationale Konzerne ihren Sitz haben – wie die Niederlande oder Luxemburg –, diese Unternehmen zur Verantwortung ziehen. Ganz gleich, wo auf der Welt sie tätig sind.

Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Je mehr Menschen sich hinter unsere Forderung stellen, desto deutlicher wird vor Gericht, wie groß die Sorge über die Expansionspläne von JBS ist.

Zeigen Sie sich solidarisch mit den betroffenen Gemeinschaften. Setzen Sie sich für den Schutz von Klima und Natur ein. Helfen Sie mit, diese neue Welle der Zerstörung zu stoppen, bevor sie überhaupt beginnt.

*Dieser Artikel wurde ursprünglich von Daniela Montalto, Campaignerin bei Greenpeace UK in London, verfasst.