Luxemburg, 23. September 2026 – Die in den vergangenen Tagen beobachteten Überflüge nicht identifizierter Drohnen über Luxemburg, die wiederholt zur Unterbrechung des Flugverkehrs am Flughafen Findel geführt haben, werfen auch Fragen zum Schutz kritischer Infrastrukturen auf.Die aktuellen Drohnensichtungen müssen deshalb auch im Zusammenhang mit der geplanten Laufzeitverlängerung von Cattenom betrachtet werden. [1] Greenpeace Luxemburg fordert die Regierung auf, bei den französischen Behörden Auskunft über die Risiken von Drohnenangriffen und Sabotageakten einzuholen. Ist Cattenom nicht ausreichend vor solchen Angriffen geschützt, muss die luxemburgische Regierung die Stilllegung des Reaktors fordern.
Eine neue Greenpeace Studie [2] untersucht, welche Gefahren moderne Drohnen für französische Atomkraftwerke darstellen. Im Mittelpunkt steht ein möglicher Angriff auf das Gebäude zur Lagerung abgebrannter Brennelemente. Laut der Studie könnte ein gezielter Angriff auf das Lagerbecken zu einem unkontrollierbaren Verlust von Kühlmittel und in der Folge zu einem schweren Atomunfall führen. Die Auswirkungen auf einen solchen Vorfall im nahegelegenen Cattenom könnten auch Luxemburg betreffen.
„Die aktuellen Drohnensichtungen zeigen, dass wir die Risiken moderner Drohnen ernst nehmen müssen. Die Bevölkerung in Luxemburg hat ein Recht darauf zu wissen, wie gut Cattenom vor solchen Bedrohungen geschützt ist. Wenn ein Reaktor nicht ausreichend vor gezielten Angriffen geschützt werden kann, darf seine Laufzeit nicht verlängert werden“, erklärt Roger Spautz, Experte für Atomkraft bei Greenpeace Luxemburg.
Im Oktober 2026 erreicht Reaktor 1 des Atomkraftwerks Cattenom seine ursprünglich geplante Laufzeit von 40 Jahren. Anfang 2027 soll er für seine vierte Zehnjahresinspektion abgeschaltet werden. Im Zusammenhang mit einer möglichen Laufzeitverlängerung ist zudem eine Konsultation zu den Betriebsbedingungen vorgesehen.
Greenpeace lehnt diese Laufzeitverlängerung ab. Neben den bekannten Risiken alternder Reaktoren müssen auch neue Bedrohungen wie Drohnenangriffe berücksichtigt werden. Gerade angesichts der möglichen grenzüberschreitenden Folgen eines schweren Unfalls braucht es Klarheit über den tatsächlichen Schutz von Cattenom. „Die französischen Behörden müssen offenlegen, wie sie Cattenom vor neuen Bedrohungen schützen. “Die Laufzeitverlängerung eines Atomkraftwerks darf nicht wichtiger sein als die Sicherheit der Bevölkerung“, so Roger Spautz.
Notizen:
[1] Bereits 2014 wurden neben Cattenom sechs weitere französische Atomkraftwerke von Drohnen überflogen. Die Verantwortlichen wurden nie identifiziert oder entsprechende Informationen nicht veröffentlicht.
[2] Die Studie wurde im Auftrag von Greenpeace Frankreich von den Atomexpertinnen Oda Becker und Prof. Dr. Jutta Weber von der Universität Paderborn durchgeführt.