Kyjiw / Luxemburg, 14. April 2026 – Ein neuer Bericht von Greenpeace Ukraine dokumentiert die Schäden am Tschornobyl-Schutzobjekt „New Safe Confinement“ (NSC) und warnt im Vorfeld des 40. Jahrestags der Katastrophe eindringlich vor den Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Laut Bericht wurden die Zerstörungen im vergangenen Jahr durch einen russischen Drohnenangriff verursacht. Innerhalb des NSC befinden sich die Überreste des zerstörten Reaktorblocks 4 sowie das unmittelbar nach Beginn der Katastrophe errichtete Schutzobjekt, das als Sarkophag bezeichnet wird. Dieser muss so schnell wie möglich instand gesetzt bzw. zurückgebaut werden, ist jedoch aufgrund der Schäden an der NSC derzeit nicht zugänglich. Ohne dringende Reparaturen an der Schutzhülle steigt das Risiko eines Einsturzes des Sarkophags.
Der Bericht wurde vom Ingenieur Eric Schmieman [1] verfasst, der über viele Jahre an der Planung und dem Bau der NSC in Tschornobyl beteiligt war. Am 9. April führte ein Untersuchungsteam von Greenpeace gemeinsam mit dem Direktor des Tschornobyl-Kraftwerks ein Pressebriefing durch, bei dem die Risiken für die NSC sowie Pläne zu deren Wiederherstellung erörtert wurden.
„Im April 1986 erlebten die Ukraine und die Welt die schwerste Nuklearkatastrophe der Geschichte. Auch heute, Jahrzehnte später, bestehen die radioaktiven Gefahren in Tschornobyl fort, trotz aller Bemühungen, das toxische Erbe einzudämmen und zu kontrollieren. Diese Herausforderungen sind äußerst komplex. Der russische Drohnenangriff hat nun das Risiko erhöht, dass der Sarkophag einstürzt, bevor er sorgfältig zurückgebaut werden kann“, sagte Roger Spautz, Experte für Atomkraft bei Greenpeace Luxemburg. “Weitere Untersuchungen und Schadensbewertungen laufen bereits, doch unter den Bedingungen des Krieges ist es nahezu unmöglich, größere technische Arbeiten vor Ort zu beginnen.”

Greenpeace Ukraine hat im Zuge des 40. Jahrestages in Tschornobyl gegen den russischen Drohnenangriff protestiert und dabei zu maximalen Sanktionen gegen Rosatom sowie zu anhaltender internationaler Unterstützung für die Ukraine aufgerufen. [2] „Greenpeace steht heute an der Seite der Ukraine und unterstützt den Widerstand gegen die russischen kriminellen Angriffe, auch in Tschornobyl. Die EU hat völlig zu Recht beschlossen, Tschornobyl und die anderen ukrainischen Kernkraftwerke vor russischen Raketen- und Drohnenangriffen zu schützen. Dies bedeutet jedoch auch echten und verstärkten Druck auf Russland auszuüben, den gesamten Nuklearhandel zu beenden und Strafsanktionen zu verhängen“, ergänzte Roger Spautz.
Auch Luxemburg ist weiterhin einem erheblichen nuklearen Risiko ausgesetzt. Das nur wenige Kilometer von der Grenze entfernte französische Kernkraftwerk Cattenom stellt eine dauerhafte grenzüberschreitende Gefahrenquelle dar. Obwohl die Anlage ursprünglich für eine Betriebsdauer von 40 Jahren ausgelegt war, wird derzeit eine Verlängerung der Laufzeit geprüft bzw. angestrebt. Dies wirft erneut grundlegende Fragen zur langfristigen Sicherheit sowie zur Verantwortung gegenüber den Menschen in der Grenzregion auf.
In diesem Zusammenhang veranstaltet Greenpeace Luxemburg am 28. April um 18:30 Uhr ein Webinar mit dem Titel „Risques et vulnérabilités de l’énergie nucléaire“ [3]. Zu den Sprecher:innen gehören Roger Spautz, Experte für Atomkraft bei Greenpeace Luxemburg, Pauline Boyer, Kampagnerin für die Energiewende bei Greenpeace Frankreich, sowie Meris Sehovic, Schöffe der Stadt Esch-Alzette und Mitglied der Allianz der Gemeinden gegen die Atomenergie.
Notizen:
[1] Eric Schmieman leitete von 2001 bis 2014 das Team des Battelle Memorial Institute während der konzeptionellen Planungsphase der NSC. Er war Leiter der Abteilung für Umwelt, Sicherheit und Gesundheit der Projektmanagementeinheit (PMU) der Tschernobyl-NSC sowie Senior Technical Advisor des PMU-Direktors. Von 2006 bis 2013 lebte er in Slawutytsch in der Ukraine. Während seiner Tätigkeit am Pacific Northwest National Laboratory arbeitete er an Projekten, die vom US-Energieministerium, der US Nuclear Regulatory Commission, der International Atomic Energy Agency sowie weiteren staatlichen Institutionen finanziert wurden.
[2] Fotos und Videos stehen in der Greenpeace Media Library zur Verfügung.
[3] Hier anmelden für das Webinar.


