Das Jahr 2025 war kein Jahr ökologischer Unbeschwertheit. Ein rauer Gegenwind aus den USA hat alte Machtstrukturen befeuert, die weltweit – auch in Europa – nur darauf warteten, neuen Auftrieb zu bekommen. Eine toxische Allianz aus Milliardären, umweltverschmutzenden Industrien und ultra-konservativen Bewegungen arbeitet gezielt daran, die Schutzmechanismen anzugreifen, die unsere Gesundheit, unsere Umwelt und unser gesellschaftliches Zusammenleben bewahren.
Ihre Strategie ist einfach: Bei jeder Gelegenheit gehen sie frontal gegen die Umweltbewegung vor, mit Desinformation, Einschüchterung, Gewalt und juristischen Angriffen wie einschüchternde Gerichtsverfahren. Ein bekanntes Beispiel sind die Verfahren in den USA, die sich gezielt gegen mehrere Greenpeace-Organisationen richten.
Ihr Ziel ist es, ihre Profite um jeden Preis zu sichern, selbst wenn das notwendige systemische Veränderungen blockiert. Dabei zeigen Vernunft, Gemeinwohl, soziale Gerechtigkeit und der Schutz unseres Planeten längst, dass ein anderer Weg nicht nur möglich, sondern dringend nötig ist.
Die Folge: Während sich 2025 zum zehnten Mal die Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens jährte und die Klimakrise immer dringlicher wurde, nahmen Angriffe auf Umwelt- und Klimaschützer:innen ebenso zu wie ökologische Rückschritte, auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.
Trotz dieses feindlichen Umfelds und harter Machtverhältnisse konnten unsere Aktivist:iinnen gemeinsam mit Verbündeten aus der Umweltbewegung zahlreiche Erfolge erringen. Diese Fortschritte, kleine wie große, betreffen viele Themenbereiche und Regionen weltweit. Was sie verbindet, ist ein gemeinsamer Kern: Klarheit über die ökologischen Herausforderungen, Ausdauer trotz Widerständen und ein konsequentes Bekenntnis zur Gewaltfreiheit. Sie zeigen uns, dass Rückschritte kein Schicksal sind. Denn auch wenn mächtige Interessengruppen auf der Gegenseite stehen, sind Entschlossenheit und die Zahl der Menschen, die sich für den Schutz unserer Umwelt einsetzen, auf unserer Seite.

Kampf gegen die industrielle Landwirtschaft
Bau der größten Tierfabrik Europas in Spanien gestoppt
Der spanische Oberste Gerichtshof hat dem Bau der größten geplanten Tierfabrik Europas einen Riegel vorgeschoben. In der Anlage sollten rund 24.000 Kühe auf engstem Raum gehalten werden. Dem Urteil ging ein jahrelanger Einsatz gegen Tierleid sowie die massive Verschmutzung von Böden und Gewässern voraus – getragen von Greenpeace Spanien. Ein Mitarbeiter unserer spanischen Greenpeace-Organisation war dabei sogar persönlichen Angriffen durch das Projektunternehmen ausgesetzt.
Indigene Saatgutsorten in Kenia zurückgebracht
Bäuerinnen und Bauern protestieren gemeinsam mit der Zivilgesellschaft vor dem Gericht in Machakos gegen ein Gesetz, das die Nutzung traditioneller indigener Saatgutsorten kriminalisiert. Mai 2025 © Dennis Sang / Greenpeace
Nach einer Klage eines von Greenpeace Afrika unterstützten Zusammenschlusses von Landwirt:innen erklärte ein kenianisches Gericht ein Gesetz für illegal, das den Austausch und Verkauf indigener Saatgutsorten verboten hatte. Mit dieser Entscheidung wird die Ernährungssouveränität wieder in die Hände kleinbäuerlicher Betriebe gelegt, denen allein wegen der Weitergabe jahrhundertealter Praktiken sogar Haftstrafen drohten. Gleichzeitig ist das Urteil ein herber Rückschlag für Agrar- und Lebensmittelkonzerne, die darauf abzielen, Leben zu patentieren und die Kontrolle über unsere Nahrungsmittelproduktion zu erlangen.
In der Schweiz stellt die Justiz den Schutz der Biodiversität über die Profite der Agrochemie
Syngenta, der weltweit führende Agrochemiekonzern, wollte den Einsatz von Tefluthrin ausweiten, eines Pestizids, das für Nützlinge wie Bienen und Regenwürmer hochgiftig ist. Greenpeace Schweiz hat dieses Vorhaben vor dem Bundesgericht, der höchsten richterlichen Instanz des Landes, erfolgreich gestoppt.
Kampf gegen gefährliche und umweltschädliche Energien – für den Schutz des Klimas
In Frankreich: historischer Rückschlag für TotalEnergies
Eine weltweite Premiere: Erstmals wurde ein multinationaler Konzern der fossilen Energiebranche von der Justiz dafür verurteilt, die Öffentlichkeit über seine Rolle in der Klimakrise getäuscht zu haben. Das Pariser Gericht sprach TotalEnergies wegen irreführender Geschäftspraktiken schuldig, aufgrund falscher Aussagen und sogenannter „grüner“ Versprechen ohne Substanz. Die Klage wurde 2022 von Greenpeace Frankreich, Les Amis de la Terre France und Notre Affaire à Tous eingereicht, mit Unterstützung von ClientEarth.
Die Nordsee im Zentrum der Auseinandersetzungen
Die britische Regierung hat weiteren Öl- und Gasexplorationen in der Nordsee eine klare Absage erteilt. Wer hätte das bei der ersten Kampagne von Greenpeace Großbritannien zum Schutz der Nordsee im Jahr 1997 für möglich gehalten? Ausdauer hat sich ausgezahlt. Bereits einige Monate zuvor hatte ein schottisches Gericht nach einer Klage von Greenpeace die Bohrgenehmigungen von Shell und Equinor für zwei Öl- und Gasfelder in der Nordsee aufgehoben.
Auch in anderen Ländern gibt es wichtige Erfolge: Das Berufungsgericht in Oslo gab Greenpeace Nordic und Natur og Ungdom (Junge Freunde der Erde Norwegen) recht und erklärte drei Ölfelder im norwegischen Teil der Nordsee für illegal. In Dänemark entschied ein Gericht ebenso gegen ein Ölfeld in dänischen Gewässern.
Der Internationale Gerichtshof verpflichtet Staaten zum Handeln gegen die Klimakrise
Der 23. Juli 2025 wird als Schlüsseldatum für die Klimagerechtigkeit in Erinnerung bleiben: Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat ein historisches Gutachten veröffentlicht, im Rahmen einer Sitzung, an der zahlreiche Umweltorganisationen und Klimaaktivist:innen teilnahmen, darunter auch Greenpeace Luxemburg. Erstmals stellte das höchste Gericht der Vereinten Nationen klar, dass Staaten nicht nur verpflichtet sind, ihre Treibhausgasemissionen zu senken und besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen vor den Folgen der Klimakrise zu schützen. Auch die Förderung, Subventionierung oder Genehmigung der Förderung fossiler Energien kann demnach eine Verletzung des Völkerrechts darstellen.
Auflösung von Greenpeace Rumänien abgewendet

März 2025. © Patric Pavel / Greenpeace
Greenpeace Rumänien wurde vom Unternehmen Romgaz verklagt, das unter anderem wegen der Proteste gegen ein Gasprojekt im Schwarzen Meer die Auflösung der Organisation erreichen wollte. Letztlich zog das Unternehmen die unbegründete Klage zurück und wurde dazu verpflichtet, die Verfahrenskosten von Greenpeace Rumänien zu übernehmen. Die SLAPP-Klage des US-Konzerns Energy Transfer gegen Greenpeace International sowie mehrere Greenpeace-Organisationen in den USA ist hingegen weiterhin offen.
Gericht verpflichtet EDF zur Transparenz – Erfolg für Greenpeace Luxemburg
Es war vor drei Jahren, im Januar 2023: Greenpeace Luxemburg wandte sich mit einem Schreiben an EDF, um Informationen über den Einsatz fehlerhafter, in Italien hergestellter Bauteile zu erhalten, insbesondere in den Reaktoren des Atomkraftwerks Cattenom. Die Weigerung von EDF, diese Informationen offenzulegen, löste einen langwierigen Rechtsstreit aus, aus dem Greenpeace Luxemburg letztlich als Sieger hervorging.
Das Straßburger Verwaltungsgericht gab Greenpeace Luxemburg im vergangenen April recht und verpflichtete EDF, die von der Organisation angeforderten Informationen bereitzustellen. Eine sehr gute Nachricht, denn die mangelnde Transparenz der Atomindustrie gehört seit Jahren zu den zentralen Kritikpunkten von Greenpeace.

Schutz der Ozeane
Internationales Hochseeabkommen endlich ratifiziert
Das 2023 bei den Vereinten Nationen verabschiedete Hochseeabkommen hat im Jahr 2025 die erforderliche 60. Ratifizierung erhalten und kann damit voraussichtlich Anfang 2026 in Kraft treten. Dieses Abkommen ist ein entscheidendes Instrument für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten in internationalen Gewässern, die bislang nahezu keiner wirksamen Regulierung unterlagen.
Marshallinseln kündigen ihr erstes Meeresschutzgebiet an

Das Gebiet wird eine Fläche von 48.000 Quadratkilometern umfassen, mehr als 260-mal so groß wie die gesamte Landfläche der Marshallinseln. Es ist ein starkes Signal für den Schutz der Ozeane und den Erhalt der Kulturen des Pazifiks. Im Juni 2025 kehrte die Rainbow Warrior zudem auf die Marshallinseln zurück, auf den Spuren der letzten Expedition ihres Vorgängerschiffs. Ziel war es unter anderem, die Bevölkerung zu unterstützen, die bis heute unter den radioaktiven Folgen der US-Atomtests leidet, sowie an den Anschlag zu erinnern, der 40 Jahre zuvor vom französischen Geheimdienst verübt worden war.
Tiefseebergbau auf Abstand gehalten
2025 hielten die Staaten dem massiven Druck multinationaler Konzerne stand, die darauf aus sind, die Meeresböden auszubeuten. Der weltweit wachsende Widerstand und die zunehmende Empörung führten dazu, dass die Cookinseln und Norwegen, zwei Länder, die kurz davorstanden, dieser zerstörerischen Industrie grünes Licht zu geben, ihre Entscheidung um mehrere Jahre verschoben haben.
Der Kampf ist jedoch noch nicht vorbei: Greenpeace wird sich weiterhin weltweit für ein internationales Moratorium gegen den Tiefseebergbau einsetzen.
Schutz der Wälder
Zwei Erdölunternehmen müssen argentinischen Nationalpark verlassen

Der argentinische Oberste Gerichtshof hat den Bundesstaat, die Provinz Jujuy und zwei Ölkonzerne verurteilt, die Erdölförderung im Calilegua-Nationalpark im Norden des Landes einzustellen und die durch diese Aktivitäten verursachten Umweltschäden zu beheben. Ein historischer Sieg nach zehn Jahren Widerstand von Anwohner:innen, Parkranger:innen, indigenen Gemeinschaften und den rund 270.000 Menschen, die die Petition von Greenpeace Argentinien unterzeichnet hatten. Es war absurd, illegal und gefährlich, dass Ölkonzerne innerhalb eines Nationalparks tätig waren!
Sieg für den Karura-Wald in Kenia
Der Karura-Wald, eine wahre Oase der Natur, Ruhe und frischer Luft im Norden Nairobis, war durch ein geplantes Autobahnprojekt bedroht. Doch dank des Engagements zahlreicher lokaler Organisationen und Greenpeace Afrika konnte die Bedrohung abgewendet werden: Das Umweltgericht Kenias ordnete eine deutliche Umlegung der Straße an und sicherte so den Schutz dieses wertvollen städtischen Waldes.
Indigene Völker erzielen erste Siege auf der COP30

Auch wenn die COP30 in Belém, Brasilien, weit davon entfernt war, die erhofften Ergebnisse zu liefern, wurde sie durch das Auftreten indigener Völker in den offiziellen Konferenzen und Debatten geprägt. Diese Gemeinschaften, die als „Hüter:innen“ des Amazonaswaldes gelten, erreichten im Anschluss die offizielle Abgrenzung von rund zehn ihrer Territorien. Rund hundert weitere Gebiete warten jedoch noch auf eine formelle Anerkennung.
Auch 2026 werden wir, mit Ihnen an unserer Seite, viele Schlachten führen: In Luxemburg müssen wir die Heuchelei der Regierung aufdecken, die, wenn sie in der Klimadiplomatie glaubwürdig bleiben will, insbesondere gegen die Aufschiebung der EU-Verordnung zur Entwaldung und gegen die Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens Stellung beziehen muss. Unsere gewählten Vertreter:innen müssen zudem lokal gegen Greenwashing vorgehen und die klimaschädlichen Investitionspraktiken regulieren, die auf unserem Territorium und international erlaubt sind, während gleichzeitig die Energiewende durch Steuern auf Superreiche und fossile Industrien finanziert werden soll. Gegen diejenigen, die Hass schüren und die Zerstörung der Umwelt vorantreiben, werden wir uns weiterhin organisieren, Widerstand leisten und mit Ihnen solidarische menschliche Ketten bilden – um die Wassereimer weiterzureichen und nach und nach ihre Feuer zu löschen.
Originalartikel: Greenpeace Frankreich


