Von Amanda Larsson, globale Kampagnenleiterin für Landwirtschaft bei Greenpeace Aotearoa
Wenn wir über die Klimakrise sprechen, stehen meist fossile Energiekonzerne wie Shell oder ExxonMobil im Mittelpunkt. Doch es gibt einen weiteren Industriegiganten, der die Klimazerstörung maßgeblich vorantreibt und derzeit eine massive Expansion in Afrika plant.
Hier kommt JBS ins Spiel: das größte Fleischunternehmen der Welt und vermutlich eine der größten Klimabedrohungen, von der viele noch nie gehört haben.
Um die Dimensionen zu verstehen, helfen ein paar Zahlen: JBS schlachtet täglich rund 76.000 Rinder, 14 Millionen Hühner, 147.000 Schweine und 23.500 Lämmer. Die Methanemissionen des Unternehmens übersteigen Schätzungen zufolge die gesamten Emissionen der Viehwirtschaft in Frankreich, Deutschland, Kanada und Neuseeland zusammen.
Seit Jahrzehnten dominiert JBS den brasilianischen Rindfleischmarkt, der als Haupttreiber der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes gilt. Das Unternehmen war in Korruptionsskandale verwickelt und wird über seine Lieferketten mit schweren Menschenrechtsverletzungen sowie illegaler Viehzucht auf indigenem Land in Verbindung gebracht. Nun exportiert der Konzern dieses zerstörerische Modell der Ausbeutung nach Subsahara-Afrika, um die Gewinne seiner milliardenschweren Aktionäre weiter zu steigern.

Ein 2,5 Milliarden Dollar teures Unternehmensgeheimnis
Die Hälfte der globalen Expansion von JBS im Umfang von 6 Milliarden Dollar ist für Nigeria vorgesehen. Das Unternehmen hat mit der nigerianischen Regierung ein Abkommen zum Bau von sechs riesigen Fleischverarbeitungsanlagen unterzeichnet. Mindestens 1,2 Millionen Hektar Land wurden dem Projekt bereits zugesichert, das zur industriellen Landwirtschaft genutzt werden soll.
Das Problem? Dieses Projekt bietet keinerlei Transparenz.
JBS hat wesentliche Informationen zu seinen Plänen nicht offengelegt, weder das Abkommen mit der nigerianischen Regierung noch Umwelt- und Menschenrechtsprüfungen. In einer Region, in der traditionelle Weidewirtschaft mehr als 20 Millionen Menschen ernährt, handelt es sich nicht nur um ein Geschäftsprojekt. Es ist eine direkte Bedrohung für Ernährungssouveränität, Menschenwürde und lokale Lebensgrundlagen.
In Nigeria leisten lokale Gemeinschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen Widerstand. Sie fordern Transparenz und warnen vor Landraub, massiver Vertreibung und der Zerstörung traditioneller Lebensweisen.
Greenpeace Africa hat den Fall kürzlich vor den African Court on Human and Peoples’ Rights gebracht. Der Fall macht auf die intransparenten Expansionspläne von JBS aufmerksam und betont, dass sowohl Staaten als auch Unternehmen verpflichtet sind, Schäden zu verhindern, öffentliche Beteiligung zu gewährleisten und den Zugang zu Informationen sicherzustellen. Staaten müssen Unternehmen zudem für das Handeln ihrer Tochtergesellschaften zur Verantwortung ziehen.

Wir werden nicht tatenlos zusehen.
Multinationale Konzerne wie JBS profitieren davon, im Verborgenen zu agieren. Sie bauen ihre Imperien fernab der Öffentlichkeit auf, während lokale Gemeinschaften die Folgen tragen müssen: verschmutzte Luft, erschöpfte Wasserressourcen und ein zunehmend instabiles Klima.
Warum wir alle von dem betroffen sind was in Nigeria passiert
Vielleicht befinden Sie sich aktuell in Madrid, Mexiko-City oder Auckland und denken, Nigeria sei weit entfernt. Doch die Strategien der Agrarindustrie und ihre Auswirkungen sind globaler Natur, und unser Widerstand muss es ebenfalls sein.
Die globale Fleisch- und Milchindustrie wird von einer Handvoll Großkonzerne dominiert, die die Regeln zu ihren Gunsten verzerren. Sie zu stoppen erfordert globale Solidarität.
- Die Klimakrise ausbremsen: Methan ist kurzfristig mehr als 80-mal so klimaschädlich wie CO₂. JBS sieht Nigeria als Ausgangspunkt, um sein zerstörerisches Modell industrieller Landwirtschaft über den gesamten afrikanischen Kontinent und darüber hinaus auszurollen. Indem wir uns mit der nigerianischen Zivilgesellschaft solidarisieren, können wir unser gemeinsames Klima vor irreversiblen Kipppunkten schützen.
- Ein Zeichen für Verantwortlichkeit setzen: Weltweit nutzen Agrarlobbyisten ihre wirtschaftliche Macht, um Umweltvorschriften auszuhöhlen und öffentliche Gesundheit zugunsten von Unternehmensgewinnen zu opfern. Wenn wir die Expansion von JBS in Afrika stoppen, setzen wir ein klares Signal: Kein Unternehmen ist zu groß, um zur Rechenschaft gezogen zu werden, und keine Gemeinschaft darf im Verborgenen verdrängt werden.
Transparenz von JBS einfordern
Wir haben bereits gesehen, welche Schäden fossile Konzerne wie Shell für Klima, Umwelt und Menschenrechte verursachen. Nun ist JBS dabei, denselben Weg einzuschlagen.
Die Geschichte zeigt, dass große Unternehmen sich erst ändern, wenn öffentlicher Druck sie dazu zwingt. Das Geschäftsmodell der Agrarindustrie beruht auf politischem Einfluss, Greenwashing, Korruption und Intransparenz, um ein System industrieller Überproduktion aufrechtzuerhalten, das Gewinne für wenige auf Kosten von Mensch und Natur generiert.
Doch wir kämpfen für eine andere Zukunft. Eine Zukunft, in der Nahrung den Menschen dient und nicht den Profiten von Konzernen.
Echte Ernährungssouveränität bedeutet, diese Expansion zu stoppen und sicherzustellen, dass lokale Gemeinschaften die Kontrolle über ihr Land behalten. In Nigeria erheben sie bereits ihre Stimmen.
Jetzt brauchen wir Menschen wie Sie, um die Pläne von JBS ans Licht zu bringen und eine neue Welle der Zerstörung zu verhindern, bevor sie beginnt.


