Die künftige Investitionsstrategie des Pensionsfonds muss mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens übereinstimmen.

Luxemburg, 8. Juli 2021 – Trotz des Klimanotstandes sind die Investitionen des Luxemburger Pensionsfonds (Fonds de Compensation, FDC) weiterhin nicht im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens. Zu diesem Schluss kommt Greenpeace Luxemburg infolge einer Analyse des Jahresberichts 2020 der FDC SICAV [1]. Gleichzeitig haben einige der nachhaltig gemanagten Teilfonds des Pensionsfonds laut dem in der letzten Woche veröffentlichten Jahresbericht 2020 des FDC deutlich besser abgeschnitten als ihre Benchmarks und damit bewiesen, dass Nachhaltigkeit und Rentabilität Hand in Hand gehen. [2] Greenpeace fordert den FDC auf, bei der anstehenden Überarbeitung seiner Investitionsstrategie eine ambitiöse Nachhaltigkeitsstrategie für alle Investitionen zu beschließen, einschließlich des Ausstiegs aus klimaschädlichen fossilen Brennstoffindustrien und anderen kohlenstoffintensiven Sektoren.

Eine von Greenpeace Luxemburg durchgeführte Analyse des Jahresberichts 2020 der FDC SICAV kam zu dem Ergebnis, dass der Pensionsfonds in seinen Bemühungen für mehr Nachhaltigkeit keine kohärente Strategie verfolgt. Während die Investitionen des Fonds in die Unternehmen der Carbon Majors rückläufig waren, stiegen die Investitionen in Kohleunternehmen von 257 Millionen € im Jahr 2019 auf 289 Millionen € im Jahr 2020, obwohl Kohle der klimaschädlichste fossile Brennstoff ist. Die weltweite Kohlenutzung in der Stromerzeugung muss bis 2030 auslaufen, wenn wir die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels vermeiden wollen. [3] Darüber hinaus investierten einige ESG-gelabelte FDC-Teilfonds im Jahr 2020 in Öl-, Gas- und andere kohlenstoffintensive Unternehmen sowie in den Nuklearsektor. [4]

Auch in diesem Sommer werden wir wieder Zeuge der weltweiten verheerenden Auswirkungen des Klimawandels, und dennoch haben die Entscheidungsträger des FDC bislang nicht die notwendigen Entscheidungen getroffen, um den klimaschädlichen Investitionen ein Ende zu bereiten“, sagt Myrna Koster, Kampaignerin für Klimagerechtigkeit bei Greenpeace Luxemburg. “Laut einer kürzlich von TNS Ilres im Auftrag von Greenpeace durchgeführten Umfrage sind 47% der Bevölkerung unseres Landes nicht damit einverstanden, dass der FDC in fossile Brennstoffe investiert. Der Ausstieg aus kohlenstoffintensiven Investitionen zugunsten von nachhaltigen Unternehmen würde es dem FDC ermöglichen, finanzielle Risiken zu vermeiden und die Renten der jetzigen und zukünftigen Pensionärinnen und Pensionären zu sichern. [5]

Auf dem Papier scheint Nachhaltigkeit ein wichtiges Anliegen des FDC geworden zu sein. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Fonds seinen ersten Sustainable Investor Report, in dem es heißt: “Als institutioneller Vermögensverwalter ist sich der FDC seiner ökologischen, sozialen und Good-Governance-Verantwortung bewusst.” [6] Die Integration von ESG- und Nachhaltigkeitsaspekten in das Geschäftsmodell ist auch ein wiederkehrendes Thema im Jahresbericht 2020. Darüber hinaus erklärte der FDC, dass er die Investitionsstrategie des Fonds im Laufe dieses Jahres überarbeiten wird, “um ESG- und Nachhaltigkeitskriterien noch stärker in seine Anlagestrategie zu integrieren.” [7]

Gleichzeitig berufen sich aber sowohl der FDC als auch die politischen Entscheidungsträger weiterhin auf das Mandat des Fonds, “die langfristige Lebensfähigkeit der allgemeinen Rentenversicherung zu sichern” [8], um Investitionen in umweltschädliche Unternehmen zu rechtfertigen. Und das, obwohl der FDC-Jahresbericht 2020 deutlich zeigt, dass es keinen Konflikt zwischen dem Mandat des FDC und nachhaltigem Investieren gibt – im Gegenteil. Der Bericht hebt das Beispiel eines Teilfondsmanagers hervor, der ausschließlich Vermögenswerte von Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen auswählte und als Folge eine außergewöhnliche Rendite von fast 24% erzielte, die den Benchmark um 17% übertraf. In ähnlicher Weise übertraf der für einen Teilfonds mit dem Investment-Ansatz ‘Positive Impact’ zuständige Manager die Performance des Benchmarks um über 10%. [9]

In ihrerNation Branding-Strategie hat sich die Luxemburger Regierung Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben, doch der staatliche Pensionsfonds FDC wird diesem Anspruch immer noch nicht gerecht“, sagt Martina Holbach, Kampaignerin für Klima & Finanzen bei Greenpeace Luxemburg. “Greenpeace fordert den FDC-Vorstand auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine ambitiöse und kohärente Nachhaltigkeitsstrategie für alle seine Investitionen zu verabschieden und diese mit den Klimazielen des Pariser Abkommens in Einklang zu bringen.


Anmerkungen:

[1] Fonds de Compensation de la Sécurité Sociale, SICAV-FIS, ‘Annual Report, including audited financial statements as of 31 December 2020’, hier einzusehen

[2] Fonds de Compensation, ‘Rapport annuel 2020’, hier einzusehen

[3] Obwohl die Investitionen in “Carbon Major”-Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um 30% gesunken sind, zeigt ein Vergleich mit der Global Coal Exit List (GCEL), dass die FDC-Investitionen in große Kohleunternehmen 2020 um 16% gestiegen sind.

Zum Kohleausstieg: United Nations Climate Change Webseite, “UN Chief Calls for Immediate Global Action to Phase Out Coal“, 2. März 2021, hier einzusehen

[4] Im Jahr 2020 wurden die FDC-Investitionen in 25 Teilfonds aufgeteilt, die jeweils von verschiedenen Fondsmanagern verwaltet wurden. Nach Angaben des FDC haben 9 der Teilfonds ein ESG-Label der luxemburgischen Labelling-Vereinigung Luxflag erhalten. Unsere Analyse zeigt, dass alle ESG-gelabelten Teilfonds in große Öl-, Bergbau- oder Gasunternehmen sowie in Autohersteller, Stromversorger, Fluggesellschaften oder andere kohlenstoffintensive Branchen investiert haben. Zu den Fondsmanagern dieser Portfolios gehören Axa, Allianz Global Investors, HSBC, Amundi und Natixis.

[5] TNS Ilres Umfrage im Auftrag von Greenpeace Luxemburg, “Perception du changement climatique et des investissements du secteur financier”, Mai 2021, Folie 23

[6] FDC Sustainable Investor Report, Seite 4, hier einzusehen

[7] Fonds de Compensation, ‘Rapport annuel 2020’, Seite 7, hier einzusehen

[8] FDC Sustainable Investor Report, Seite 6, hier einzusehen

[9] Fonds de Compensation, ‘Rapport annuel 2020’, Seite 23, hier einzusehen

Coal Fired Power Plant in the Rhenish Lignite Mining Area. © Bernd Lauter / Greenpeace Machen Sie mit! ×