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Luxemburg, 17. Juni 2020 – Luxemburgs staatlicher Pensionsfonds (Fonds de Compensation, FDC) investiert trotz “nachhaltiger und sozial verantwortlicher Investitionspolitik” weiterhin kontinuierlich in Shell, Total, BP, Chevron, Equinor, Fortum und andere fossile Brennstoff-Unternehmen.

Greenpeace Luxemburg hat den im Mai veröffentlichten Jahresbericht  des FDC analysiert und kommt zu dem Schluss, dass dieser weiterhin kontinuierlich in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen investiert. Dies steht in frappantem Widerspruch zu den Behauptungen des FDC, dass große Teile des 19 Milliarden Euro schweren Fonds nachhaltig und sozial verantwortlich investiert würden. Greenpeace verurteilt die “Greenwashing”-Taktik des FDC und fordert die Regierung und das Parlament auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um öffentliche Gelder von umweltschädlichen Unternehmen abzuziehen.

Der FDC investierte allein im Jahr 2019 mehr als 256 Millionen Euro in einige der größten Kohleunternehmen der Welt [1]. Mehrere der nachhaltig verwalteten Teilfonds, darunter einige ESG-zertifizierten Teilfonds, investierten in  globale Umweltverschmutzer wie Shell, Total, BP, Chevron, Equinor und Fortum [2].

Der Fonds de Compensation will auf den Green Finance-Zug aufspringen, tatsächlich hat er im vergangenen Jahr seine Investitionen in klimaschädigende Aktivitäten erhöht, mit negativ Folgen für die Menschenrechte. Man kann aber nicht beides haben„, erklärte Martina Holbach, Kampaignerin für Klima & Finanzen bei Greenpeace Luxemburg. „Geld, das in fossile Brennstoffe fließt, ist mit dem Konzept von nachhaltigen Investitionen unvereinbar. Umweltverschmutzende Unternehmen wie Shell oder Total haben es versäumt, ihre Geschäftsstrategie mit den Klimaschutzzielen in Einklang zu bringen, um uns und den Planeten vor einem rasanten Klimawandel zu schützen. Es ist inakzeptabel, unsere Renten mit solchen Investitionen aufs Spiel zu setzen„.

Die luxemburgische Regierung hat das Pariser Klimaschutzabkommen ratifiziert und sich öffentlich zur Umsetzung klarer nachhaltiger und grüner Investitionsrichtlinien für den FDC verpflichtet [3]. Sie hat es jedoch versäumt, im Rahmen des Nationalen Energie- und Klima- Aktionsplans eine solide Grundlage zu schaffen, damit der FDC und andere staatliche Fonds nicht länger öffentliche Gelder in fossile Brennstoffindustrien investieren.

Die Regierung unterstützt die Greenwashing-Taktik des FDC, indem sie die klimaschädigende  Investitionspolitik  des Pensionsfonds ignoriert. Den Vermögensverwaltern des FCD steht es frei, Investitionen in Kohle und Öl als grün zu bezeichnen; diese Rechnung kann nicht aufgehen. Von BürgerInnen und Unternehmen in Luxemburg wird Engagement gegen den Klimawandel erwartet, der Pensionsfonds hingegen darf sich weiterhin jeglicher Rechenschaftspflicht entziehen„, sagte Myrna Koster, Kampaignerin für Klimagerechtigkeit bei Greenpeace Luxemburg. „Angesichts der Fahrlässigkeit des FDC fordert Greenpeace die Regierung auf, ihren Worten Taten folgen zu lassen und endlich zu handeln.”


Anmerkungen

[1] Der Vergleich mit der Global Coal Exist List (GCEL) ergab, dass die Investitionen des FDC in die großen Kohleunternehmen im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 21% gestiegen sind. Im Vergleich zu 2015 sind die Investitionen des FDC in die größten Kohleunternehmen der Welt sogar um mehr als 60% gestiegen. Im Jahr 2019 erhöhte der FDC ebenfalls seine Investitionen in die so genannten Carbon Majors (Carbon Majors = 100 aktive Produzenten fossiler Brennstoffe, darunter ExxonMobil, Shell, BHP Billiton und Gazprom, die mit 71% der industriellen Treibhausgasemissionen seit 1988 in Verbindung gebracht werden).

[2] Im Jahr 2019 waren die Investitionen des FDC in 24 Teilfonds aufgeteilt, die jeweils von verschiedenen Fondsmanagern verwaltet wurden. Nach Angaben des FDC wurden 10 der 24 Teilfonds nach einem nachhaltigen Ansatz verwaltet; 6 der Teilfonds erhielten von der luxemburgischen Labelling-Gesellschaft Luxflag ein ESG-Label. Die Greenpeace-Analyse ergab, dass 6 der 10 Teilfonds, die “nachhaltig” verwaltet wurden, und 4 der 6 ESG-zertifizierten Teilfonds in große Kohle-, Öl- und Gasunternehmen sowie in Automobilhersteller, Energieversorger, Fluggesellschaften und andere kohlenstoffintensive Unternehmen investierten. Zu den Verwaltern der Teilfonds gehören Axa, Allianz Global Investors, HSBC, Amundi, Robeco und KBIGI. Zusätzlich investierte ein ausgewiesener „Green Bond“-Teilfonds in führende Kohleunternehmen wie Enel und Southern Power sowie in kohlenstoffintensive Energieversorger wie E.on und Engie.

[3] Koalitionsvertrag 2018-2023, Seite 108