Im ersten Halbjahr 2026 wurden Europa, Afrika und Nordamerika von beispiellosen Hitzewellen getroffen. Die Klimakrise, die vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas angeheizt wird, setzt uns zunehmend extremen Wetterereignissen aus, die oft als Naturkatastrophen bezeichnet werden. Die verheerenden Sturzfluten in Nepal sind nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern auch eine schmerzhafte Mahnung: In einer sich immer weiter erhitzenden Welt bedrohen die rasante Gletscherschmelze und einstürzende Gletscher zunehmend Menschenleben.

Die extreme Hitze begünstigte außergewöhnlich schwere Waldbrände in Westeuropa und Kanada. Auch in Afrika, Asien und Lateinamerika prägten Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und heftige Stürme das Jahr 2026.

Wegen des Rauchs von Hunderten Waldbränden in Kanada wurden für den gesamten Bundesstaat New York sowie Teile von New Jersey Warnungen wegen schlechter Luftqualität herausgegeben. © Tim Aubry / Greenpeace

Die Sturzflut in Nepal wird mit dem Einsturz eines Gletschers im Himalaya in Verbindung gebracht. Die Katastrophe trifft eine Region, die die Folgen der Klimakrise bereits deutlich zu spüren bekommt: Überschwemmungen, Erdrutsche, Lawinen und Dürren nehmen laut Daten in der gesamten Region an Häufigkeit und Intensität zu.

Hitzewellen und solche vermeintlichen Naturkatastrophen sind genau die Folgen der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, vor denen der Weltklimarat seit Jahrzehnten warnt. Rekordtemperaturen, auch an der Meeresoberfläche, sind längst Realität in einer Welt, die sich immer weiter aufheizt. Umso dringender müssen wir den Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigen und den Übergang zu erneuerbaren Energien vorantreiben.

Mehr denn je müssen wir jetzt handeln. Denn während sich unser Planet bereits viel zu schnell erwärmt, deuten Prognosen auf ein historisch starkes El-Niño-Phänomen hin. Dadurch könnten extreme Wetterereignisse noch heftiger ausfallen – zu einer Zeit, in der wir uns gefährlich nahe an einer vorübergehenden Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze des Pariser Klimaabkommens bewegen.

Luftaufnahmen der Waldbrände in Ávila, Spanien. © Pedro Armestre / Greenpeace

Warum gab es 2026 so viele Hitzewellen und Waldbrände?

Rekordtemperaturen schaffen ideale Bedingungen für Waldbrände. Gleichzeitig heizt sich unser Klima durch jahrzehntelange Abholzung und die Verbrennung fossiler Energien immer schneller auf.

Die elf Jahre seit dem Pariser Klimaabkommen waren die elf heißesten, die jemals gemessen wurden. Unser Klima gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Und solange die Treibhausgasemissionen weiter steigen, rückt die 1,5-Grad-Grenze immer weiter außer Reichweite.

Die Dürre hat den Wasserstand des Rheins in Deutschland stark beeinträchtigt. © Bernd Lauter / Greenpeace

Diese Entwicklung führt zu immer heißeren und trockeneren Bedingungen, die große und besonders intensive Waldbrände begünstigen. Sie fordern nicht nur direkt Menschenleben, sondern haben auch schwerwiegende Folgen für die Gesundheit: Der Rauch kann Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen und zu mehr Krankenhausaufenthalten und vorzeitigen Todesfällen führen.

Was haben diese sogenannten Naturkatastrophen mit fossilen Energien zu tun?

Extreme Hitzewellen, Stürme und Waldbrände werden immer häufiger und heftiger. Das ist kein Zufall. Sie sind auch die Folge politischen Versagens: Regierungen erlauben es Unternehmen der fossilen Industrie und anderen Akteuren, die Natur zerstören, ihre Profite weiterhin über das Wohlergehen von Menschen zu stellen. Deshalb müssen politische Entscheidungsträger:innen jetzt handeln und den Ausstieg aus fossilen Energien sowie die Zerstörung unserer Wälder endlich konsequent vorantreiben.

Laut den Nationalen Akademien der Wissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Medizin der USA (NASEM) ist die globale Erwärmung menschengemacht. Sie wird durch vergangene und heutige Emissionen verursacht, die vor allem aus Industrieländern und von großen Unternehmen stammen. Der Klimawandel steht zudem in direktem Zusammenhang mit extremer Hitze und Kälte sowie heftigen Niederschlägen.

Zwei aktuelle Studien zur Zuordnung von Extremwetterereignissen zeigen außerdem, dass die Hitzewellen in Europa und Nordamerika ohne die globale Erwärmung praktisch unmöglich gewesen wären. Verantwortlich dafür ist die zunehmende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sowie die Zerstörung von Wäldern.

Eine Studie von World Weather Attribution (WWA) kam zu dem Ergebnis, dass eine vergleichbare Hitzewelle in Westeuropa im Juni vor 50 Jahren rund 3,5 °C weniger intensiv gewesen wäre.

Wird 2026 alle Hitzerekorde brechen?

Wissenschaftler:innen gehen bereits davon aus, dass 2026 insgesamt zu einem der heißesten Jahre seit Beginn der Messungen werden könnte. Und auch 2027 könnte diesen Rekord noch übertreffen.

Das britische Met Office rechnet mit einem außergewöhnlich starken El-Niño-Phänomen, das zum stärksten seit dem 19. Jahrhundert werden könnte. Dadurch könnte 2027 2024 als bislang heißestes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen ablösen. Auch ein vorübergehendes Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze wird immer wahrscheinlicher.

Das ist besorgniserregend: El Niño kann extreme Wetterereignisse zusätzlich verstärken, von schweren Dürren in einigen Regionen bis hin zu heftigen Stürmen und Starkregen in anderen.

Welche Auswirkungen hat die Hitzewelle in Europa auf Flüsse und Atomkraftwerke?

Im August erreichten die Wasserstände von vier großen europäischen Flüssen – Loire, Po, Rhein und Donau – historische Tiefstände. Die anhaltende Dürre setzt Wasserressourcen, Landwirtschaft, Energiesysteme, Binnenschifffahrt, Tourismus und Ökosysteme zunehmend unter Druck.

Auch Atomkraftwerke sind von Dürren betroffen, da sie für ihre Kühlung große Mengen Wasser benötigen. Die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände der Donau zwangen diesen Sommer mehrere Reaktoren in Mitteleuropa dazu, ihre Leistung zu drosseln oder den Betrieb zeitweise einzustellen.

Das Atomkraftwerk Paks in Ungarn. Aufgrund der Dürre und des niedrigen Wasserstands der Donau musste das Kraftwerk seine Leistung reduzieren und könnte vollständig abgeschaltet werden. © Balint Szentgallay / NurPhoto

Das erinnert daran, wie anfällig Atomkraftwerke für die Folgen der Klimakrise sind – und wie dringend wir ein widerstandsfähigeres Energiesystem brauchen, das auf erneuerbaren Energien basiert.

Werden wir die 1,5-Grad-Grenze überschreiten?

Ein Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze erhöht das Risiko, gefährliche Kipppunkte im Klimasystem zu erreichen, mit möglicherweise irreversiblen und schwerwiegenden Folgen für Mensch und Umwelt. Die Hitzerekorde der vergangenen Jahre zeigen, wie schwer es wird, das Ziel des Pariser Klimaabkommens noch einzuhalten. Doch genau das muss ein Weckruf sein: Alle Länder müssen ihre Klimaschutzmaßnahmen deutlich verstärken. Besonders die Industrieländer tragen eine historische Verantwortung und müssen beim Klimaschutz vorangehen.

Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist es sehr wahrscheinlich, dass die globale Durchschnittstemperatur zwischen 2026 und 2030 in mindestens einem Jahr vorübergehend die 1,5-Grad-Grenze überschreitet. Auch der Durchschnitt über diesen Fünfjahreszeitraum könnte über 1,5 °C liegen, mit einem weiter steigenden Risiko für extreme Wetterereignisse.

Das bedeutet: Jetzt braucht es endlich politischen Mut und echte Ambitionen. Die Regierungen müssen handeln und den gerechten Ausstieg aus fossilen Energien mit der Geschwindigkeit und Entschlossenheit vorantreiben, die die Klimakrise verlangt.

Greenpeace-Aktivist:innen protestieren in Madrid und zeigen ihre Solidarität mit den Tausenden Menschen, die von den Waldbränden betroffen sind. Mindestens 15 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 100.000 mussten ihre Häuser verlassen. © Greenpeace / Guillermo Carazo

Was Regierungen tun können, um die Energiewende zu beschleunigen

Regierungen können und müssen den Übergang zu dezentralen erneuerbaren Energiesystemen beschleunigen. Wind- und Solarenergie sind günstig, zuverlässig und nahezu unbegrenzt verfügbar. Die gute Nachricht: Der Ausbau erneuerbarer Energien nimmt bereits Fahrt auf. Ein Bericht von Greenpeace International zeigt, dass die Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre Hoffnung machen, nicht zuletzt, weil die Kosten für Solarenergie, Windkraft und Batteriespeicher deutlich gesunken sind.

Im Vorfeld der UN-Generalversammlung im September und der UN-Klimakonferenz COP31 im November müssen Regierungen ihren Willen zu einer gerechten Energiewende unter Beweis stellen. Die Ergebnisse der COP31 müssen einen echten Weg aus der Abhängigkeit von fossilen Energien aufzeigen. Gleichzeitig ist es höchste Zeit, die Unternehmen der fossilen Industrie zur Verantwortung zu ziehen und sie für die Schäden zahlen zu lassen, die sie seit Jahrzehnten verursachen.

Die Lösungen sind längst da: Lokale erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft, kombiniert mit Batteriespeichern, können eine günstige und zuverlässige Energieversorgung ermöglichen. Jetzt müssen wir den Ausbau entschlossen vorantreiben: für mehr Energiesicherheit und eine lebenswerte Zukunft.


Über den Autor: Aaron Gray-Block ist Climate Politics Communications Manager bei Greenpeace International. 
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf der Website von Greenpeace International veröffentlicht und von uns übersetzt und für Greenpeace Luxemburg angepasst.