Luxemburg, 16. Oktober 2026 – Die Weltgemeinschaft hinkt bei der Umsetzung ihrer globalen Biodiversitätsziele für 2030 deutlich hinterher. Anlässlich der 17. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) fordert Greenpeace die Regierungen auf, einen ambitionierten Fahrplan mit konkreten Maßnahmen zu beschließen. Ziel ist es, die bisherigen Versäumnisse bei der Umsetzung des 2022 verabschiedeten Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal aufzuholen.

Greenpeace nennt vier zentrale Handlungsprioritäten:

  • Öffentliche Mittel für den Schutz der Natur mobilisieren: Greenpeace fordert eine progressive Umweltbesteuerung, die Reform oder Abschaffung umweltschädlicher Subventionen, die konsequente Anwendung des Verursacherprinzips in besonders umweltschädlichen Branchen sowie Maßnahmen gegen illegale Finanzströme. Darüber hinaus spricht sich die Organisation für einen Schuldenerlass für Länder aus, deren Staatsverschuldung nicht mehr tragbar ist. Sogenannte Biodiversitätskredite und Kompensationsmechanismen sind hingegen keine langfristig verlässliche Lösung, um die strukturelle Finanzierungslücke beim Schutz der biologischen Vielfalt zu schließen.
  • Die Rechte und die Rolle indigener Völker und lokaler Gemeinschaften stärken: Greenpeace fordert, ihre Gebiete offiziell als Schutzgebiete anzuerkennen und ihre traditionellen Landrechte rechtlich abzusichern. Entwicklungsprojekte dürfen nur mit ihrer freien, vorherigen und informierten Zustimmung umgesetzt werden. Gleichzeitig muss der Schutz von Umweltverteidigern gewährleistet sein. Mindestens 20 % der für indigene Völker und lokale Gemeinschaften vorgesehenen Finanzmittel sollen ihnen direkt zur Verfügung stehen.
  • Wälder wirksam schützen: Um das Ziel zu erreichen, bis 2030 mindestens 30 % der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, fordert Greenpeace Luxemburg auf, konkrete Möglichkeiten zum Schutz der Wälder und Ozeane zu nutzen. Beide sind unverzichtbar für die biologische Vielfalt und den Kampf gegen die Klimakrise. Dazu gehört insbesondere, die Hauptursachen der Entwaldung zu bekämpfen, allen voran die Ausweitung der industriellen Tierhaltung. Da Luxemburg künftig den Finanzarm des TFFF beherbergen soll, muss das Land auch für mehr Kohärenz in seinem eigenen Finanzsektor sorgen. Dieser beherbergt Holdinggesellschaften von Unternehmen, die mit der Zerstörung von Wäldern in Verbindung stehen, darunter JBS, der weltweit größte Fleischkonzern.
  • Die Ozeane wirksam schützen: Wenige Monate vor der ersten Vertragsstaatenkonferenz des UN-Hochseeschutzabkommens (BBNJ) kann Luxemburg aktiv dazu beitragen, Meeresschutzgebiete in internationalen Gewässern einzurichten und so das Ziel zu erreichen, bis 2030 mindestens 30 % der Ozeane zu schützen. Ab Januar 2027 kann das Großherzogtum insbesondere die Einrichtung solcher Schutzgebiete und die Entwicklung ihrer Schutzkonzepte unterstützen. Zum Auftakt der COP17 veröffentlicht Greenpeace International am 19. Oktober den Bericht Well connected: Protecting the Atlantic High Seas through an ocean-wide sanctuary network (auf deutsch: Miteinander vernetzt: Ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten zum Schutz der Hohen See im Atlantik). Er zeigt ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten auf, das 30 % des Atlantiks abdecken soll.

Für Greenpeace muss die COP17 den internationalen Verpflichtungen konkrete Taten folgen lassen: mit gesicherter Finanzierung, verbindlichen Maßnahmen und unter Wahrung der Menschenrechte. Das Ziel ist klar: Die Umsetzung der globalen Vereinbarungen muss jetzt deutlich beschleunigt werden, damit die Biodiversitätsziele für 2030 erreicht werden können.

„Luxemburg mag ein kleines Land sein, kann aber mit konkreten Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt weit über die eigenen Grenzen hinaus leisten. Dazu gehören die Unterstützung bei der Einrichtung von Meeresschutzgebieten in internationalen Gewässern und ein Ende der bedingungslosen Aufnahme von Holdinggesellschaften von Unternehmen wie JBS“, erklärt Altynaï Bidaubayle, Kampaignerin bei Greenpeace Luxemburg.